In einer Petition vom 20.10.2009 wird der freie und kostenfreie Zugang aller Bürger zu wissenschaftlichen Publikationen, die aus öffentlich geförderter Forschung hervorgehen gefordert: Petition: Wissenschaft und Forschung – Kostenloser Erwerb wissenschaftlicher Publikationen
So sinnvoll das Anlieger der Petition auch ist, fürchte ich doch, dass wir es wieder einmal mit einer Petition zu tun haben, die aller Voraussicht nach nicht die erforderliche Zahl von Mitzeichnern finden wird. Warum? Weil es eben nicht reicht eine gute Idee zu haben und die dann ins ePetitionssystem einzustellen. Voraussetzungen für den Erfolg einer Petition online wie offline sind:
- Text und Begründung der Petition müssen gut formuliert sein.
- Es muss eine breite Kampagne möglichst viele Menschen auf die Petition aufmerksam gemacht werden.
Ich fürchte beides ist bei dieser Petition nicht wirklich gegeben. Ich hab sie dennoch unterzeichnet. Hier mit zeichnen! Update: Das Aktionsbündnis “Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft” unterstützt die Petition. Das ist sehr schön!
Text der Petition
Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass wissenschaftliche Publikationen, die aus öffentlich geförderter Forschung hervorgehen, allen Bürgern kostenfrei zugänglich sein müssen. Institutionen, die staatliche Forschungsgelder autonom verwalten, soll der Bundestag auffordern, entsprechende Vorschriften zu erlassen und die technischen Voraussetzungen zu schaffen.
Begründung
Die öffentliche Hand fördert Forschung und Entwicklung nach Angaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung jährlich mit etwa 12 Milliarden Euro. Die Ergebnisse dieser Forschung jedoch werden überwiegend in kostenpflichtigen Zeitschriften publiziert. Es ist nicht angemessen, dass der Steuerzahler für die von ihm finanzierten Forschungsergebnisse erneut bezahlen muss.
Wegen der hohen Kosten und der Vielzahl wissenschaftlicher Zeitschriften sind Forschungsergebnisse nur in wenigen Bibliotheken einsehbar. Den meisten Bürgern ist der Zugang zu der von ihnen finanzierten Wissenschaft dadurch nicht nur erschwert, sondern de facto ganz verschlossen.
Den Bürger von der Wissenschaft auszusperren ist nicht nur schädlich, sondern auch unnötig. Andere Länder haben vergleichbare Vorhaben bereits umgesetzt. Die US-Amerikanische Behörde National Institutes of Health (NIH) verlangt, dass alle von ihr finanzierten Publikationen binnen 12 Monaten an einem zentralen Ort öffentlich zugänglich sind. Die grundsätzliche Struktur des wissenschaftlichen Publikationswesen verändert sich hierdurch nicht.
Update: Auf seinem Blog erklärt Lars Fischer: Kurz zu meiner ePetition „Kostenloser Erwerb wissenschaftlicher Publikationen“
Zuerst einmal bezieht sich die Petition ausschließlich auf wissenschaftliche Veröffentlichungen, die nach einem Peer Review in den einschlägigen Fachzeitschriften publiziert werden. Nicht gemeint sind populärwissenschaftliche Publikationen, Bücher, Berichte aus Tageszeitungen und andere Texte, die Verlage von Autoren einkaufen. Außerdem gibt es zwei sehr unterschiedliche Modelle des Open Access. “Goldener” Open Access bedeutet, dass die Fachzeitschrift selbst kostenlos zugänglich ist. Das ist nicht Thema der Petition. Die Petition bezieht sich ausschließlich auf “grünen” Open Access, bei dem die Autoren ganz normal in Fachzeitschriften publizieren, aber das recht behalten, ihre Arbeit anderweitig verfügbar zu machen, zum Beispiel in einem zentralen Online-Archiv. Derartige Vereinbarungen gibt es bereits, allerdings nicht flächendeckend.
Die Idee hinter der Petition ist weder neu noch meine eigene. Derartige Modelle sind seit Jahren im Gespräch und werden sich nach Meinung vieler Experten langfristig durchsetzen, unter anderem aus ökonomischen Gründen. Einen Überblick über die wichtigsten Argumente gibt dieses Interview mit Bora Zivkovic von PLoS one.
Siehe auch die Kritik von Kritik im Blog von Carsten Könneker.
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