Europeana: Europas digitale Bibliothek

Europeana

Die “Europäische Digitale Bibliothek” Europeana hat ihre virtuellen Pforten eröffnet. Mit der Europeana soll das kulturelle Erbe Europas – “Literatur, Kunst, Wissenschaft, Politik, Geschichte, Architektur, Musik, oder Kino” erschlossen werden. Am Aufbau der Europeana ist ein beeindruckendes Netzwerk mit Partnern von mehr als 1000 kulturellen Einrichtungen beteiligt. Das Interesse an der Bibliothek anscheinend so groß, dass die Server immer wieder für längere Zeit nicht erreichbar sind. Die üblichen Startschwierigkeiten eben.

Auf der Plattform der Europeana kann man über eine mehrsprachige Benutzeroberfläche (26 Sprachen!) gezielt nach Inhalten suchen. Eine Suche nach “Goethe” ergibt beispielsweise 1600 Treffer als Ergebnis, das man dann weiter filtern kann, etwa nach Bildern, Texten, Sprache, Anbieter und Land. So weit so schön.

Weniger schön ist freilich, dass mehr als die Hälfte der Inhalte aus Frankreich kommen während Deutschland nur etwa 1 Prozent des Bestandes beisteuert. Auch andere Länder und Sprachen sind nicht repräsentativ vertreten. Woran liegt das?

Das wundert auch die für Informationsgesellschaft und Medien zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding: “I find the figures extraordinary. France has half the content — the collapse of the Berlin Wall is illustrated with a French TV documentary”, wird Reding in einem Artikel der New York Times zitiert.

Dazu muss man wissen, dass das ambitionierte Projekt, das nach einer Online-Konsultation Anfang 2006 von EU-Kommissarin Viviane Reding ins Leben gerufen wurde von Anfang an bei den Rechteinhabern der EU-Mitgliedsstaaten auf wenig Gegenliebe gestoßen ist. In den ersten Jahren war die Begeisterung für die Beteiligung so gering das auf europäischer Ebene immer wieder für das Projekt geworben werden musste.

So hat die EU Kommission 2006, die Mitgliedsstaaten in einer Mitteilung zu mehr Engagement aufzurufen. 2007 warb dann das EU-Parlament mit dem Bericht “i2010: Easy access to European cultural heritage” für die digitale Bibliothek. Dies hat anscheined in Frankreich mehr Ressonanz gehabt als in Deutschland.

Ein Hauptproblem der Europeana ist, dass es bisher kein Konzept für die Vergütung von Zugriffen auf Werke bietet, die noch urheberrechtlich geschützte sind. “Die Kosten für die umfängliche Lizenzierung urheberrechtlich geschützter Werke würden den Etat des Projekts schnell sprengen, der sich in den ersten vier Jahren auf 200-250 Millionen Euro beläuft.” schreibt Robert Gehring auf iRights.info. Weiter schreibt er:

In Zukunft könnte jedoch ein integriertes Authentifizierungssystem und die Möglichkeit von “pay-per-use” per Mausklick implementiert werden, das Nutzungsbeschränkungen “für bestimmte Länder oder Domains” gewährleistet (laut FAQ). So könnte die Europeana auch für die europäischen Rechteinhaber attraktiv werden. Ob die europäischen Verbraucher sich dafür ebenso begeistern können, wird die Zukunft zeigen müssen.

Wir sind gespannt wie sich die Europeana entwickelt. Letztlich sind es also wieder die selben Bedenken welche die Rechteinhaber auch gegen Google Books vorgetragen haben, die dem freien Zugang zu unserem kulturellen Erbe entgegenstehen.

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