Kartographie der Krise

Das Erdbeben in Haiti hat in Sozialen Netzwerken eine große Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. Seriöse Hilfsorganisationen wie “Aktion Deutschland Hilft“, die Welthungerhilfe oder Unicef rufen über Dienste wie Twitter und Facebook nicht nur zu Spenden auf, sondern berichten quasi in Echtzeit über ihre Hilfseinsätze.

Besonders interessant zeigt sich an der aktuellen Katastrophe in Haiti welches Potential im “mapping”, also in der Kartographie liegt. Dazu hatte Netzpolitik bereits anfang der Woche ein Interview mit Patrick Meier über die beim Crisis Mapping verwendete freie Software Ushahidi. Siehe dazu auch den Blogpost bei Ushahidi “Our Efforts in Response to Haiti’s Earthquake” sowie das TED Blog Interview mit Patrick Meier:

What we’re focusing on now at Ushahidi simply getting the information into the system. We’ve set up a situation room at the Fletcher School at Tufts University. We’ve got about a dozen people now [...] combing the news and the Twitter feeds from individuals who are inside Haiti right now and tweeting on a regular basis. We’re mapping that information as quickly as we possibly can, because we know we’ve got a lot of folks inside Haiti who are looking at the website to get information. We expect a lot more information to come back in as the cell-phone network comes back online.

Auch Golem schreibt über die Bemühungen der OpenStreetMap-Community, nutzbares Kartenmaterial für Haitis Hauptstadt Port-au-Prince zu erstellen:

Die Crisismapper konzentrieren sich auf die Erfassung von Brücken, funktionierender Infrastruktur und zusammengestürzter Gebäude. Die Resultate sind beachtlich: In nur wenigen Tagen wurde von der zuvor kaum erfassten Hauptstadt Port-au-Prince eine detaillierte Karte erstellt.

Auch die Orte, an denen sich Menschen nach dem Erdbeben aufhalten, und die Infrastruktur des Gesundheitssystems sollen erfasst werden. Die Mapper greifen dabei auf aktuelle Satellitendaten von Digitalglobe und Geo Eye zurück. Auch alte CIA-Karten sollen herangezogen werden. Die Kartendaten werden stündlich aktualisiert, zum Teil sogar alle fünf Minuten. Ein Routenplaner und Karten für Garmin-Geräte stehen bereits zur Verfügung.

Die folgenden Kartenausschnitte – vor und nach den Erdbeben – verdeutlichen die unglaubliche Arbeit der Open Street Map Community:

Christiane Schulzki-Haddouti hat in diesem Zusammenhang auf einen wirklich interessanten Artikel im Guardian hingewiesen, der beschreibt, warum die Katastrophe in Haiti menschengemacht ist und warum letztlich die Industrieländer – vorneweg die USA –  daran schuld sind, dass das verarmte Land jahrzehntelang nicht auf die Beine kam:

Die großzügige “Völkergemeinschaft”, die sich momentan darum reißt, ihre “humanitäre Hilfe” nach Haiti zu entsenden, ist größtenteils für das Ausmaß des Leides verantwortlich, welches sie nun schmälern möchte. 1915 fielen die USA in das Land ein und besetzten es. Alle seither unternommenen Versuche, die Bevölkerung Haitis (nach Aussage des ehemaligen Präsidenten Jean-Bertrand Aristide) “aus der absoluten Misere” zu befreien, so dass sie “in würdiger Armut” leben könnte, scheiterten, weil die US-Regierung und ihre Verbündeten diese gewaltsam und ganz bewusst verhinderten. Hier zu deutschen Übersetzung durch Presseurop.

Gerade dieser Tage schrieb Christian Kreuz in seinem Blog einen spannenden Artikel zum Thema “Maptivism“:

There are a growing number of cases of Maptivism (Maps + Activism) around the world. I wrote about the great potential for engagement and transparency before. Although it is not a new method, it is certainly still quite different from the old school maps – because of the easiness to use digital maps. There are also more and more tools offered to either get geodata or to use existing data to visualize it more easily. GeoCommons is one such service for open geospatial data.

ReadWriteWeb: Hackers Helping Haiti: Find or Organize a Hackathon Near You

In an ongoing effort to help the poorest country in the Americas survive and recover from a devastating earthquake, hackers around the world are participating in CrisisCamp Hackathons this Saturday, January 16.

The unconference-style events are free for attendees, who are asked to volunteer their time and expertise to create technology projects that provide data, information, maps and technical assistance to non-governmental organizations, relief agencies and the public. The CrisisCamps being held this weekend will all directly benefit Haitian relief efforts.

Weitere Informationen zum Thema:

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