data.wien.gv.at – eine Darstellung des Weges zum Datenportal der Stadt Wien aus Sicht der Community

Am 17.5. 2011 war es soweit – das erste Open Government Data (OGD) Portal einer öffentlichen Verwaltung in Österreich wurde gelauncht – und es war die Bundeshauptstadt Wien, welche diesen mutigen und zugleich so wichtigen Schritt in Österreich gemacht hat und damit eine Vorreiterrolle im Bereich Open Data im Land eingenommen hat und damit hoffentlich auch Vorbild für weitere Gemeinden, Städte, Länder und auch den Bund selbst sein wird (hier ist noch wichtig zu bemerken, dass grundsätzlich dieOpen Commons Region Linz die erste Stadt in Österreich war, welche ein Datenportal angekündigt hat – noch vor Wien – und zwar für September 2011).

http://data.wien.gv.at ist für den Bereich offene Regierungsdaten ein erster guter Schritt für ein modernes und offenes Wien geworden. Offene mensch- und maschinen lesbare Daten in verschiedenen Formaten und aus verschiedenen Bereichen (wie beispielsweise: Bevölkerung, Bildung, Budget, Freizeit u.v.a.) werden für die Wiederverwendung bereit gestellt. Noch dazu unter der CC-BY-3.0 Lizent von Creative Commons.

Der Weg bis zum 17.5. 2011 hat knapp ein Jahr zuvor begonnen – zumindest aus Sicht der österreichischen (und Wiener) Open Data Community: am 8. April 2010 lud eine Gruppe von Linked Open Data Enthusiasten – Vertreter/innen von Universitäten, Unternehmen und der Zivilgesellschaft zum ersten MeetUp zum Thema Open Government Data an der OCG in Wien. Für Vorträge waren Rufus Pollock von der Open Knowledge Foundation vor Ort in Wien und Stefano Bertolo von der Europäischen Kommission zugeschalten um das für Österreich und Wien so neue Thema OGD aus Sicht der vorhandenen Erfahrungen für die rund 60 Teilnehmer/innen zu beleuchten. Das Interesse war sehr hoch – auch seitens der Medien – und somit war ein grundsätzliches Interesse und auch eine erste breite Information zum Thema in Wien geschaffen.

Danach ging ein Jahr lang, bis zum 17.Mai 2011, eigentlich vieles Schlag auf Schlag (auch wenn ein Jahr eine doch lange Zeit ist, finde ich dass es eine gute Leistung aller Beteiligten war, in diesem Jahr soviel zustande zu bringen) – im Anschluß an das erwähnte MeetUp wurde die OGD Austria gegründet – eine Initiative, welche sich zum Ziel gesetzt hat, (verlinkte) offene (nicht personenbezogene) Regierungsdaten in Österreich in menschen- und maschinenlesbaren Formaten zur Wiederverwendung – gemeinsam mit Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft und Wirtschaft – zu öffnen. Weitere Initiativen wie open3 und auch etablierte Institutionen im Bereich Verwaltungsforschung wie das KDZ – Zentrum für Verwaltungsforschung oder die Donauuniversität Krems oder Joanneum Research – aber auch Wirtschaftsvertreter wie die Semantic Web Company der Compass Verlag, und vor allem viele, viele VertreterInnen der Zivilgesellschaft, welche am Thema interessiert sind (hier ist zu sagen, dass Wien eine rege Kreativszene als auch Web 2.0 Community besitzt) waren rasch mit dabei, das Thema OGD – aus verschiedenen Interessenslagen – gemeinsam voranzutreiben.

Die Semantic Web Company (SWC) hat dann im Juni 2010, mit Unterstützung der oben genannten Institutionen, ein Förderprojekt bei der Technologie Agentur der Stadt Wien – der ZIT – eingereicht, um eine bewußtseinsbildende Maßnahmenbündel zum Thema OGD in Österreich zu planen und umzusetzen – das Projekt OGD2011. Die Bewilligung dieses Projektes hat sicherlich sehr viel dazu beigetragen, in der erwähnten Geschwindigkeit, die relevanten Stakeholder im OGD Prozess in Wien und Österreich zum Thema zu informieren (Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien) – Bewußtsein für die Chancen und Potentiale aber auch die Herausforderungen – und auch die nötigen konkreten Schritte – von und für Open Data zu schaffen!

Es wurden folgende Maßnahmen im Rahmen von OGD2011 umgesetzt – bzw. werden noch umgesetzt:

  • 2 monatiger offener OGD Austria Stammtisch (bis dato nur in Wien)
  • 4 Stakeholder Workshops (Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft und Wirtschaft) im Februar 2011, um die Anforderungen an OGD in Österreich aus Sicht der jeweiligen Gruppen zu erheben und zu diskutieren
  • Publikation des OGD Digest Österreich – Infos rund um Open Data in Österreich und national in Print & PDF (bis dato sind 4 Ausgaben erschienen- Auflage stetig steigend)
  • Aufbau und Betreuung einer Mailingliste und einer Xing Gruppe
  • Veranstaltung eines offenen MeetUps zum Thema am 15. Juni 2011 in Wien
  • Einrichtung und Betreuung eines offenen Wiki Spaces zur Sammlung und Bereitstellung von relevanten Inhalten zum Thema OGD
  • OGD2011 Konferenz am 16. Juni 2011 in Wien
  • Und sehr wichtig; rund 40-50 Gespräche mit Vertreter/innen der Wiener Politik und Verwaltung zum Thema OGD, um hier Bewußtsein zu schaffen und Mißverständnisse aufzuklären
  • Vernetzung mit internationalen Initiativen zum Thema Open Data wie dem Open Data Network (Deutschland), der Open Knowledge Foundation (UK) oder der ePSIplattform (um einige zu nennen) für laufenden Austausch zum Thema sowohl inhaltlich, als auch hinsichtlich eines OGD Prozesses – um voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu unterstützen…
  • Weiters wird im Juli/August 2011 ein OGD Weißbuch Österreich als Grundlagenwerk zum Thema publiziert.

Obwohl dieses OGD2011 Projekt für gesamt Österreich angelegt ist, haben großteils Wiener/innen an den Terminen teilgenommen, sich engagiert usw – was nicht verwunderlich ist, da in Wien die meisten öffentlichen Stellen beheimatet sind und die Stadt bzw. das Bundesland Wien in Österreich einen besonderen Stellenwert einnimmt.

Im November 2010 passierte dann noch ein weiterer ganz wichtiger Schritt, ohne den OGD grundsätzlich schwer bis kaum effizient umsetzbar ist – das politische JA zu Open Data in Wien im Regierungsübereinkommen der neuen rot-grünen Regierung.

Hinsichtlich der Umsetzung von data.wien.gv.at wurde die Stadt Wien vom EU Projekt LOD2 unterstützt – LOD2 hat Wien im Vorfeld der Portalumsetzung zu den Themen: Open (Government) Data, Linked Open Data, Lizenzen und Businessmodelle, sowie Datenblätter, Meta Daten und URL Schema tatkräftig im Rahmen des LOD2 Publink Consultancy Services unterstützt.

Ich denke, dass in Summe betrachtet folgende Faktoren ausschlaggebend für den bisherigen Erfolg der Open Government Data Bewegung in Wien waren:

  • Möglichst breite Bewußtseinsbildung bei allen beteiligten Gruppen
  • Zusammenarbeit aller Gruppen und offener Dialog zwischen diesen Gruppen
  • Politisches Kommittment zum Thema
  • Hohes Interesse und Engagement der öffentlichen Verwaltung
  • Interesse und Unterstützung der Medien – v.a. durch den Open Data Blog der futurezone
  • Unterstützung des OGD2011 Projektes duch die ZIT zur Schaffung einer Grundfinanzierung von konkreten Maßnahmen
  • Bildung einer starken Community zum Thema und dadurch u.a. andauernde Präsenz des Themas in der Öffentlichkeit
  • Klare Erhebung und Darstellung der Potentiale und Chancen – aber auch der zu bedenkenden Risken zu Open Data in Wien
  • Austausch mit internationalen Initiativen, um gegenseitig zu lernen und Best Practise darstellen zu können
  • Intensive Auseinandersetzung der Stadt Wien (mit Unterstützung) zu den Themen: Lizenzen, Metadaten & Datenbeschreibung, sowie saubere Umsetzung der Phase 1 von data.wien.gv.at

Doch diese Phase 1 von data.wien.gv.at soll es ja auch nicht gewesen sein – die Stadt Wien hat regelmässigen Austausch mit der Community für die Weiterentwicklung des Portals angekündigt und zugesagt, plant für Sommer 2011 eine Umfrage zum Thema und für Ende 2011 einen OGD Wettbewerb auf Basis der Wiener Regierungsdaten – und es soll sich noch etwas bewegen in den Bereichen Datenumfang, Datenformate, sowie Schnittstellen für den Datenzugriff (nach britischem Vorbild will die Stadt Wien sich in Richtung Linked Open Government Data bewegen)…..wir sind auf jeden Fall gespannt, wie es zum Thema OGD in Wien in 2011 und 2012 weitergeht!

Autor Martin Kaltenböck ist CFO der Semantic Web Company Wien und Mitbegründer und Mitglied im Executive Board der OGD Austria.

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