Co:Laboratory “Internet und Gesellschaft” zu Open Government

Open Government, eParticipation, Open Data – wie können wir diese neuen Formen politischer Beteiligung und Organisation für unsere Gesellschaft nutzen? Bedeutet offene Politik zugleich bessere Politik? Und wie lassen sich im Ausland erprobte Konzepte “offener Staatskunst“ erfolgreich nach Deutschland übertragen?

Der zweite Expertenkreis der offenen Diskussions- und Kollaborationsplattform “Internet & Gesellschaft Co://aboratory“ sowie Vertreter aus Staat und Institutionen haben sich mit diesen Fragen auseinandergesetzt. In ihrem Bericht veröffentlichen sie die Ergebnisse, ergänzt um eine repräsentative dimap Umfrage zum Thema “Open Government” sowie um eine Fallstudie des Münchner Open Government Day (MOGDy) .

Wir möchten Ihnen den Bericht gerne frühzeitig vorstellen und laden Sie herzlich ein, die Ergebnisse mit uns zu diskutieren: Co://aboratory Medien-Roundtable “Open Government”

Mittwoch, 13. Oktober 2010
10.30 – 12.00 Uhr
im New Thinking Store, Tucholskystraße 48, 10117 Berlin-Mitte

Aus dem Co://aboratory-Expertenkreis erwarten Sie:
Prof. Philipp Müller, Universität Salzburg, Co://aboratory-Lenkungskreis
Julius van der Laar, Deutscher Vertreter Avaaz.org
Daniel Dietrich, Vorsitzender Open Data Network
Dr. Max Senges, Google Policy, Co://aboratory-Lenkungskreis

Deliberationskonferenz am 24. und 25. September

Vom Open Data Network waren Klas Roggenkamp, Friedrich Lindenberg und ich als Experten zum Thema Open Data bei diesem zweiten Expertenkreis dabei. Wir haben maßgeblich an den Texten zur Vorbereitung und zum Abschlussbericht mitgewirkt und waren auch auf der Deliberationskonferenz am 24. und 25. September mit dabei. Diese fand ich besonders spannend auf der wir unsere Arbeit zu Open Government mit Kollegen aus Politik und Verwaltung diskutiert haben. Hier die Folien aus meinem Impulsreferat zu Open Data.

Veröffentlicht in Deutschland, Open Data, Open Government, Opendata Network, Partizipation | Kommentieren

Open Access Publishing in European Networks

OAPEN (Open Access Publishing in European Networks) is a collaborative initiative to develop and implement a sustainable Open Access publication model for academic books in the Humanities and Social Sciences. The OAPEN Library aims to improve the visibility and usability of high quality academic research by aggregating peer reviewed Open Access publications from across Europe.

online library and publication platform

OAPEN combines the advantages of an independently operating commercial venture with the benefits of being embedded in the scholarly community. Joining the OAPEN network involves no membership costs, while giving you privileged access to information-sharing and lobbying that are an important part of the initiative. Listing your titles in the OAPEN Library involves a fee which starts at around €700, depending on the size of your frontlist, as well as the number of titles submitted to the OAPEN Library.

Veröffentlicht in EU, Open Access | Kommentieren

WissensWert – Wir investieren in eure Ideen!

Wikimedia Deutschland wagt heute ein Experiment: Wir investieren in mutige Ideen zur Förderung Freien Wissens und stellen ausgewählten Initiativen kurzfristig und unbürokratisch Mittel in Höhe von 500 € bis zu 5.000 € zur Verfügung.

Seid mutig!

Mit unserem Ideenwettbewerb WissensWert fördern wir Projekte, die mit unseren Zielen übereinstimmen. Ideen zur Erstellung, Sammlung und Verbreitung Freier Inhalte. Ideen, die den Zugang zu Wissen und Bildung fördern. Ideen zu Freien Lizenzen und Freier Software. Wir können mit einer Fördersumme helfen, aus mutigen Ideen außergewöhnliche Projekte zu machen!

Macht alle mit!

Alle können mitmachen! Alle, die eine Idee haben, die zu uns passt und nur darauf wartet, in die Tat umgesetzt zu werden. Wir sprechen damit nicht nur die Wikipedia- und Wikimedia-Community an – Vertreter der Free-Culture-Bewegung, Baustler und Creative Commons-Fans, Freunde von Open Streetmap, vom Offenen Web, Freier Software und Freien Netzen sind ebenso aufgerufen, ihre Ideen bei uns einzureichen. Dabei prämieren wir keine Ideen nur der guten Idee wegen, sondern stellen ausgewählten Einreichern Geld zur Verfügung, damit sie ihre Idee selber umsetzen können.

Eure Ideen sind uns was wert!

Ihr habt bis zum 15. Oktober 2010 Zeit, eure überzeugenden Ideen bei uns einzureichen. Neben der offiziellen Jury aus Wikipedianern, Wikimedianern und Vertretern der Bewegung bekommt auch die Öffentlichkeit eine Stimme: Wir werden die Ideen zur öffentlichen Abstimmung auf der Website bereit stellen.

So geht’s:

Teilnahmebedingungen, Bewertungskriterien und das Bewerbungsformular findet ihr auf der WissensWert-Seite. Fragen beantworten wir gerne unter ideen@wikimedia.de. Und nun los! Raus aus der Schublade mit der Idee, rein in unser Bewerbungsformular! Wir freuen uns auf zahlreiche tolle Einreichungen.

Sagt’s weiter!

Wir zählen bei der Bekanntmachung unseres Wettbewerbes übrigens auf eure Unterstützung: Erzählt euren Freunden, Kollegen, Musen, Wirten und Partnern von der großartigen Möglichkeit dieser Förderung. Damit das ganze auch hübsch wird, haben wir ein paar Banner zum Einbinden auf eure Wikis, Blogs und Social Networks gebastelt. Danke!

Veröffentlicht in Commons, offenes Wissen, Open Knowledge, Wikipedia | Kommentieren

Lesetip: Daten allein sind nichts wert

Ich möchte euch diesen Artikel von Kei Bierman auf Zeit Online zur Lektüre empfehlen:

Daten allein sind nichts wert

Wenn Regierungen bereit sind, Informationen mit Bürgern zu teilen, kann es das Leben aller verbessern. Beim Personal Democracy Forum ist zu sehen, was mit offenen Daten alles möglich ist. “Technologien haben die Geschichte verändert, aber noch mehr als diese taten es Informationen.” Diesen Satz sagte Alec Ross am Montag auf dem Personal Democracy Forum (PDF) in Barcelona. Ross ist Berater im amerikanischen Außenministerium. Sein Vortrag leitete die Konferenz ein, deren Kern die Frage ist, wie Technik die Gesellschaft beeinflusst und wie man sich die Zukunft der Demokratie vorstellen kann.

Veröffentlicht in Demokratie, Konferenz, Open Data, Open Government | Kommentieren

The 3rd Free Culture Research Conference: October 8-9, Berlin

Free Culture between Commons and Markets: Approaching the Hybrid Economy? The Free Culture Research Conference presents a unique opportunity for scholars whose work contributes to the promotion, study or criticism of a Free Culture, to engage with a multidisciplinary group of academic peers and practitioners, identify the most important research opportunities and challenges, and attempt to chart the future of Free Culture. This event builds upon the successful workshop held in 2009 at the Berkman Center for Internet and Society at Harvard University, organized and attended by renowned scholars and research institutions from the US, Europe and Asia. The first event was held in Sapporo, Japan, in 2008, in conjunction with the 4th iCommons Summit. This year’s event is larger in ambition and scope, to provide more time for interaction in joint as well as break-out sessions. It is hosted jointly by the Free University of Berlin and the Max Planck Institute for the Study of Societies and will take place at October 8-9, 2010 at the Free University Campus in Berlin, in collaboration with COMMUNIA, the European Network on the digital public domain and Wikimedia Germany. Funding and support is also provided by the Heinrich Böll Foundation and the Bundeszentrale für politische Bildung.

See the comprehensive Program & Papers and Registration today!

Veröffentlicht in Berlin, Commons, Konferenz, Open Knowledge | Kommentieren

Gov2.0Camp 2010 Vienna

Infoplattformen von Verwaltung und Politik im Internet sind Standard. Dialogorientierte Internetformate, offene Daten oder Einbindung in den Meinungsbildungsprozess sind noch eine Seltenheit in unseren Breitegraden. In den meisten Fällen werden diese Themen in geschlossen Kreisen der Verwaltung, Politik, Interessensgruppen oder unter sehr Internet affinen Menschen besprochen.

Das Gov2.0camp Vienna wagt etwas Neues. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, einen unkonventionellen Austausch zwischen Menschen in der Verwaltung und Menschen, die sich mit dem Internet beschäftigen, zu ermöglichen. Dabei steht das gegenseitige voneinander Lernen im Vordergrund für das sich das Format barcamp besonders eignet.

Jeder der Ideen, Projekte, Forschungsergebnisse, Hinweise aus der Praxis zur Belebung der Demokratie mit dem Internet kennt, und alle daran Interessierten, sind dazu eingeladen beim Gov2.0Camp Vienna teilzunehmen. Ziel des Gov2.0Camps ist das wechselseitige voneinander Lernen – im Unterschied zur Funktionalisierung einer Community von Seiten einer Organisation oder auch der Verwaltung. Das Wesen eines BarCamps besteht unserer Ansicht nach in einem offenen und ehrlichen Austausch den wir hoffen, durch TeilnehmerInnen aus den verschiedensten Wissensgebieten zu erreichen. In diesem Sinne freuen wir uns auf einen wechselseitigen Diskurs auf einer Ebene zwischen Verwaltung und Community, der auf der Idee der Beteiligung und Vernetzung zwischen Gesellschaft, Verwaltung und Politik aufbaut.

Für alle die zur Veranstaltung posten, twittern, Bilder, Videos, Folien oder Dateien hochladen, bitte den Hashtag #gov2vienna benutzen.

Die Fragestellungen des Gov2.0camp 2010

  • Das Gov2.0camp 2010 widmet sich beispielsweise folgenden Fragestellungen:
  • Wie unterstützt das Internet die demokratische Entwicklung?
  • Welchen Nutzen bringen Open Government und Open Data?
  • Wo sind die Risiken und Grenzen?
  • Welche Arbeitserleichterungen kann das Internet bieten?
  • Wie wird der Dialog zwischen BürgerInnen und Verwaltung/Politik im Internet Realität?

Ein barcamp für Menschen mit Veränderungswillen aus Verwaltung, Politik, Organisationen, Forschung, für Demokratie- und Politkinteressierte, Presseverantwortliche, Blogger usw.

3. Dezember 2010, Wiener Planungswerkstatt

Wiener Planungswerkstatt
1010 Wien, Friedrich Schmidt Platz 9
Öffentlich erreichbar mit der U2 Station “Rathaus”
Stadtplan

Veröffentlicht in Barcamp, EU, Konferenz, Open Government, Termine | Kommentieren

PUBLINK Linked Open Data Consultancy

Over recent years the Linked Open Data paradigm has gained momentum as a lightweight approach of publishing data resources to and reuse data from the web – be it for commercial or commons-oriented purposes.

PUBLINK is the Linked Open Data Consultancy backed by the consortia of the EU-FP7 LOD2 (Integrated Project) and LATC (Support Action) projects. In order to lower the entrance barrier for potential data publishers the LOD2 and LATC consortia offer the free PUBLINK Linked Open Data Consultancy to up to 5 selected organizations supporting them with the publishing of Linked Open Data with an overall effort of 10-20 days of support from highly skilled Linked Data professionals.

  • Are you a government or government related organisation (administration, research center, agency, …) and in possession of large amounts of data?
  • Does your organization have the obligation to publish data?
  • Do you have valuable data but lack the financial or technical means to distribute it?
  • Are you convinced that linking, merging or mapping your data with other data sources will increase its value?
  • Do you face inter-organisational data integration challenges?
  • Do you want or need your data to be re-used?
  • Do you already publish tons of data in HTML, spreadsheets, PDFs or proprietary formats?

If you answered YES! to two or more of these questions you have to continue to read.

Veröffentlicht in Linked Data, Linked Open Data, Open Data, RDF, Semantic Web | Kommentieren

Frankfurt: 42 Stadtteilportale für lokale Infos aus der Nachbarschaft

(Dieser Artikel ist ein Crosspost von Frankfurt gestalten)

Frankfurt hat 42 Stadtteile und über 3000 Straßen. An all diesen Orten geschehen tagtäglich verschiedene Dinge. Schon mit der Idee von Frankfurt Gestalten begeisterte mich die Vorstellung, diese vielen Themen und Ereignisse in jeder Nachbarschaft auch im Internet ein wenig sichtbarer zu machen. Meine These: Je besser ich weiß was passiert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich engagiere.

Deshalb freue ich mich eine große Erweiterung von Frankfurt Gestalten zu präsentieren: Stadtteilportale. Wir bieten nun für alle 42 Stadtteile jeweils gefiltert folgende Informationen an: Anträge der Ortbeiräte, Veranstaltungen, Polizeimeldungen, Meldungen zum öffentlichen Nahverkehr und Schadstoffsammeltermine. Hier zum Beispiel der Stadtteil Zeilsheim.

Alle Informationen werden übersichtlich auf Stadtteilseiten dargestellt. Für weitere Informationen verlinken wir jeweils zur Originalquelle. Bitte Feedback geben, falls Informationen fehlerhaft sind oder am falschen Ort liegen.

Zugegeben die Informationen sind breit gesät, doch wir möchten damit aufzeigen, wie viel einfacher und bürgerfreundlicher solche Informationen aufbereitet werden könnten, ohne dass erst der Besuch vieler Webseiten vonnöten wäre.

Zum Beispiel auf der Seite mainziel.de listet die Stadt Frankfurt alle aktuellen Baustellen schön in einer Karte auf, doch für eine Auflistung muss ich erst umständlich eine PDF-Datei herunter laden.

Auf Frankfurt Gestalten bekomme ich nun die Informationen für meinen Stadtteil und meine Straße. Wir haben die Stadt Frankfurt angefragt, ob wir auch die Informationen zu Baustellen nutzen dürfen, weil die Nutzungsbedingungen von mainziel.de leider keine gemeinnützige Veröffentlichung hier zulassen. Wir hoffen auf eine positive Rückantwort.

Veröffentlicht in frankfurt, gestalten, hyperlocal, lokaldaten, Open Data, Partizipation, stadt | Kommentieren

Umfrage: Welche Daten soll Berlin frei geben?

Die Senatsverwaltung in Berlin kommt mittlerweile richtig auf Touren: auf der Homepage der Stadt gibt es nun eine Umfrage, welche Daten die Stadt zuerst veröffentlichen soll. Eine gute Aktion, bitte nehmt zahlreich teil! Zur Auswahl stehen aktuell folgende Kategorien:

1. Umweltdaten (Feinstaub, CO2, Pollen)
2. Märkte (Wochen-, Floh-, Weihnachtsmärkte)
3. Events (Straßenfeste, Konzerte, Lange Nacht der …, Sportereignisse)
4. Entsorgung (Termin in meiner Straße, Recyclinghöfe, Containerstandorte, Sondermüll)
5. Infrastruktur (Radwege, Toiletten, Briefkästen, Geldautomaten, Telefone)
6. Verkehr (Baustellen, Staus, Sperrungen)
7. Nahverkehr (Verspätungen, Zugausfälle, Sonderfahrten)
8. Öffnungszeiten (Bibliotheken, Museen, Ausstellungen)
9. Verwaltung (Formulare, Zuständigkeiten, Ämter, Öffnungszeiten)
10. Verbraucherberatung, Schuldnerberatung
11. Familie (Elterngeld, Kindertagesstätten, Kindergärten)
12. Bildung (Schulen, Volkshochschulen, Hochschulen und Unis)
13. Wohnen (Wohngeld, Mietspiegel, Immobilien, Grundstückspreise)
14. Gesundheit (Krankenhäuser, Apotheken, Notdienst, Spezialisten, Beratungsstellen, Blutspende)
15. Haustiere (Tierärzte, Tierheim, Tierpflege)
16. Kontrolle (Badegewässer, Lebensmittel, Gaststätten, Preise)
17. Recht (Gesetze, Vorschriften, Beratung, Schlichter, Gutachter)
18. Polizeiticker (aktuelle Vorfälle, Fahndung, Kriminalitätsatlas)
19. Stadtplanung (Flächennutzungsplan, Bauvorhaben, Verkehr, Flughäfen)
20. Bevölkerung (Zahl, regionale Verteilung, Demografie, Kaufkraft, Beschäftigung/Arbeitslosigkeit, Kinder)

Ein write-in Feld fehlt leider, aber die Auswahl finde ich fürs erste sehr gelungen und freue mich bereits auf die ersten Veröffentlichungen!

Veröffentlicht in Berlin, data, Open Data, openberlin, Partizipation, umfrage | Kommentieren

Transparency und Open Data in der medizinischen Entwicklungshilfe

Wenn ich einen Euro spende, wie viel kommt davon dann eigentlich bei den Notleidenden an? Und wie viel geht für den Maserati des Geschäftsführers der Organisation drauf, für die das hübsche Mädel arbeitet, das mir die Spende abgequatscht hat? Wie viel vom Rest steckt dann noch irgendein korrupter Diktator in seine Privatjet-Kasse? Treiben wir nicht sowieso mit unseren Hilfsprojekten die dritte Welt nur in die Abhängigkeit und subventionieren nebenher unsere Gesundheits-Industrie?

In wenigen Bereichen bekommt die Forderung nach Transparenz eine so essentielle Bedeutung, wie in der medizinischen Entwicklungshilfe – insbesondere in Anbetracht des starken Zusammenhangs zwischen Armut und Korruption. Natürlich will keine Hilfsorganisation dass ihre Mittel veruntreut werden – die unmittelbare Reaktion, wenn es dann doch geschieht, ist aber häufig die Vertuschung. Dadurch wird die Organisation zum Mittäter.

Mit Marcela Rojo habe ich mich heute über Ansätze unterhalten, diesen Problemen durch Transparenz und Offenlegung aller Daten zu begegnen. Marcela Rojo arbeitet für den Global Fund to Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria. Das Gespräch gibt es als Podcast in englischer Sprache als .mp3 und als .ogg.

(Anmerkung für Spreeblick-Leser: Bitte überspringt die nächsten 2 Absätze, wenn ihr Kathrins Artikel schon gelesen habt. Sie behandelt Finanzierung und Projekte ausführlicher.)

Wo kommt die Kohle her?
Vom Global Fund gibt es gar keine hübschen Mädels mit Spende-Dosen und 6,50€ Stundenlohn in der Fußgängerzone.  95% der Spender sind Staaten, den größten Teil davon machen die G8 aus. Wie aber konnte eine Organisation in die Position kommen, das Geld direkt bei den Staaten abzugreifen, und frei darüber verfügen zu können? Sie wurde von den G8 selbst gegründet.

Dabei wurde auch festgelegt, dass jeder einzelne gespendete Dollar direkt bei den Notleidenden ankommen muss. Die (verhältnismäßig wenigen) Angestellten des Global Fund werden aus den Zinsen, die für dieses Geld anfallen bevor es ausgegeben werden muss, finanziert. Der Global Fund unterhält nur ein Büro in Genf.

Wo geht die Kohle hin? oder: Hilfe zur Selbsthilfe
Der Global Fund hat kein einziges eigenes Projekt vorzuweisen. Nirgendwo auf der Welt stehen Krankenhäuser, die vom Global Fund unterhalten werden, nirgendwo sind Sanitäter im Einsatz, die auf der Gehaltsliste des Global Fund stehen. Wenn ein Staat ein Problem mit Aids, Malaria oder Tuberkulose hat, und es bekämpfen möchte, dann muss er sich selbst ein Projekt ausdenken und auf die Beine stellen.

Darüber, wie realistisch das Projekt und die finanziellen Vorstellungen sind, entscheidet ein Expertengremium und bewilligt die Mittel – oder eben nicht.

Transparenz und Open Data
Für jedes geförderte Projekt gelten strenge Anforderungen an die Transparenz und Möglichkeiten zur Erfolgskontrolle. Werden diese Möglichkeiten nicht eingeräumt, wird das Projekt nicht gefördert. Auch laufenden Projekten wird mitunter die Unterstützung entzogen, wenn die Tranparenzanforderungen nicht erfüllt werden. In der Tat ist dies der häufigste Grund für diese sehr seltene Maßnahme. Bis zur Korruption will man es gar nicht erst kommen lassen. Im Übrigen wird selbstverständlich sofort nach anderen Wegen gesucht, den Bedürftigen die Hilfe zukommen zu lassen – ein weiterer Vorteil der Projektunabhängigkeit.

Dieses Verlangen nach Transparenz ist die einzige große Säule, auf dem die Arbeit des Global Fund fußt. Die Selbstständigkeit der Projekte wird nicht angegriffen, sie können sich den regionalen Gegebenheiten und Anforderungen individuell ohne bürokratisches Regelwerk anpassen. Sie können Selbstvertrauen aufbauen und sich weiterentwickeln, der Hilflosigkeit entgegentreten. Alles, was von den Projekten verlangt wird ist dass sie erfolgreich sind, und kein Geheimnis daraus machen, wie sie den Erfolg erreicht haben. Das ist nicht viel verlangt von jemandem der helfen will. Auf diesen zentralen Anforderungen fußen viel hundert Projekte weltweit.

Und was passiert mit den ganzen Daten? In welcher Schublade verschwinden sie? Nahezu beiläufig erwähnte Marcela das Global Fund Grant Portfolio – ein Musterbeispiel für die Online-Aufbereitung und Bereitstellung offener Daten, sowohl was Umfang, als auch die intuitive Darstellung betrifft. “Das ist doch wohl das Mindeste, was wir unseren Spendern schulden. Die müssen sich doch informieren können.” sagte sie im Vorgespräch, und auch in der Podcast-Aufnahme merkt man ihr noch an, dass sie meine Mischung aus Ungläubigkeit und misstrauischer bis manischer Begeisterung über diesen Fundus an Informationen und den offenen Umgang damit gar nicht so wirklich teilen konnte. Dass der Global Fund nicht nur Transparenz verlangt, sondern auch selbst transparent ist, ist für sie einfach nur klar, kaum der Rede wert…

Hier bei Netzpolitik wird seit jeher für Open Data plädiert, und auf viele kleine Sternchen der offenen Daten (leider meist im Ausland) stürze auch ich mich lobpreisend. Dass ich eines der besten Beispiele dort finden würde, wo ich es am wenigsten vermutet hatte…

Ihr interessiert euch für das HIV-Projekt in Myanmar, wie viel Geld dort ausgegeben wurde, und wie es um die Performanz des Projektes steht? Oder ihr wollt euch mal die Poposals für zukünftige Projekte anschauen, die noch nicht bewilligt sind? Wie wäre es mit einer tabellarischen Auflistung der Daten verschiedener Projekte? Ihr müsst nur in der Lage sein, Myanmar auf der interaktiven Karte zu finden.

Im Kampf gegen Korruption und Betrug zeigt der Open Data-Ansatz und das radikale Verlangen nach Transparenz große Erfolge, so weit ich das anhand dessen, was ich hier in Lesotho heute zu sehen bekomme, beurteilen kann (dazu später mehr).

Merke: Wenn es um Leben und Tod nicht um die eigenen Daten geht, wird Open Data radikal durchgezogen – und zwar auf Initiative der G8. Interessant.

Disclaimer: Ich bin gerade auf Einladung des Global Fund in Lesotho, Afrika. Diese Einladung wird als Teil der Transparenz-Bemühungen gesehen – also bitte schreibt eure Fragen in die Kommentare – ich werde alles tun, um sie euch zu beantworten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf netzpolitik.org, der Autor ist Linux Neumann. Im Original Artikel finden sich noch einige Bilder, die ich hier jetzt nicht eingebunden habe.

Veröffentlicht in Open Data, Transparency | Kommentieren