Transparency und Open Data in der medizinischen Entwicklungshilfe

Wenn ich einen Euro spende, wie viel kommt davon dann eigentlich bei den Notleidenden an? Und wie viel geht für den Maserati des Geschäftsführers der Organisation drauf, für die das hübsche Mädel arbeitet, das mir die Spende abgequatscht hat? Wie viel vom Rest steckt dann noch irgendein korrupter Diktator in seine Privatjet-Kasse? Treiben wir nicht sowieso mit unseren Hilfsprojekten die dritte Welt nur in die Abhängigkeit und subventionieren nebenher unsere Gesundheits-Industrie?

In wenigen Bereichen bekommt die Forderung nach Transparenz eine so essentielle Bedeutung, wie in der medizinischen Entwicklungshilfe – insbesondere in Anbetracht des starken Zusammenhangs zwischen Armut und Korruption. Natürlich will keine Hilfsorganisation dass ihre Mittel veruntreut werden – die unmittelbare Reaktion, wenn es dann doch geschieht, ist aber häufig die Vertuschung. Dadurch wird die Organisation zum Mittäter.

Mit Marcela Rojo habe ich mich heute über Ansätze unterhalten, diesen Problemen durch Transparenz und Offenlegung aller Daten zu begegnen. Marcela Rojo arbeitet für den Global Fund to Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria. Das Gespräch gibt es als Podcast in englischer Sprache als .mp3 und als .ogg.

(Anmerkung für Spreeblick-Leser: Bitte überspringt die nächsten 2 Absätze, wenn ihr Kathrins Artikel schon gelesen habt. Sie behandelt Finanzierung und Projekte ausführlicher.)

Wo kommt die Kohle her?
Vom Global Fund gibt es gar keine hübschen Mädels mit Spende-Dosen und 6,50€ Stundenlohn in der Fußgängerzone.  95% der Spender sind Staaten, den größten Teil davon machen die G8 aus. Wie aber konnte eine Organisation in die Position kommen, das Geld direkt bei den Staaten abzugreifen, und frei darüber verfügen zu können? Sie wurde von den G8 selbst gegründet.

Dabei wurde auch festgelegt, dass jeder einzelne gespendete Dollar direkt bei den Notleidenden ankommen muss. Die (verhältnismäßig wenigen) Angestellten des Global Fund werden aus den Zinsen, die für dieses Geld anfallen bevor es ausgegeben werden muss, finanziert. Der Global Fund unterhält nur ein Büro in Genf.

Wo geht die Kohle hin? oder: Hilfe zur Selbsthilfe
Der Global Fund hat kein einziges eigenes Projekt vorzuweisen. Nirgendwo auf der Welt stehen Krankenhäuser, die vom Global Fund unterhalten werden, nirgendwo sind Sanitäter im Einsatz, die auf der Gehaltsliste des Global Fund stehen. Wenn ein Staat ein Problem mit Aids, Malaria oder Tuberkulose hat, und es bekämpfen möchte, dann muss er sich selbst ein Projekt ausdenken und auf die Beine stellen.

Darüber, wie realistisch das Projekt und die finanziellen Vorstellungen sind, entscheidet ein Expertengremium und bewilligt die Mittel – oder eben nicht.

Transparenz und Open Data
Für jedes geförderte Projekt gelten strenge Anforderungen an die Transparenz und Möglichkeiten zur Erfolgskontrolle. Werden diese Möglichkeiten nicht eingeräumt, wird das Projekt nicht gefördert. Auch laufenden Projekten wird mitunter die Unterstützung entzogen, wenn die Tranparenzanforderungen nicht erfüllt werden. In der Tat ist dies der häufigste Grund für diese sehr seltene Maßnahme. Bis zur Korruption will man es gar nicht erst kommen lassen. Im Übrigen wird selbstverständlich sofort nach anderen Wegen gesucht, den Bedürftigen die Hilfe zukommen zu lassen – ein weiterer Vorteil der Projektunabhängigkeit.

Dieses Verlangen nach Transparenz ist die einzige große Säule, auf dem die Arbeit des Global Fund fußt. Die Selbstständigkeit der Projekte wird nicht angegriffen, sie können sich den regionalen Gegebenheiten und Anforderungen individuell ohne bürokratisches Regelwerk anpassen. Sie können Selbstvertrauen aufbauen und sich weiterentwickeln, der Hilflosigkeit entgegentreten. Alles, was von den Projekten verlangt wird ist dass sie erfolgreich sind, und kein Geheimnis daraus machen, wie sie den Erfolg erreicht haben. Das ist nicht viel verlangt von jemandem der helfen will. Auf diesen zentralen Anforderungen fußen viel hundert Projekte weltweit.

Und was passiert mit den ganzen Daten? In welcher Schublade verschwinden sie? Nahezu beiläufig erwähnte Marcela das Global Fund Grant Portfolio – ein Musterbeispiel für die Online-Aufbereitung und Bereitstellung offener Daten, sowohl was Umfang, als auch die intuitive Darstellung betrifft. “Das ist doch wohl das Mindeste, was wir unseren Spendern schulden. Die müssen sich doch informieren können.” sagte sie im Vorgespräch, und auch in der Podcast-Aufnahme merkt man ihr noch an, dass sie meine Mischung aus Ungläubigkeit und misstrauischer bis manischer Begeisterung über diesen Fundus an Informationen und den offenen Umgang damit gar nicht so wirklich teilen konnte. Dass der Global Fund nicht nur Transparenz verlangt, sondern auch selbst transparent ist, ist für sie einfach nur klar, kaum der Rede wert…

Hier bei Netzpolitik wird seit jeher für Open Data plädiert, und auf viele kleine Sternchen der offenen Daten (leider meist im Ausland) stürze auch ich mich lobpreisend. Dass ich eines der besten Beispiele dort finden würde, wo ich es am wenigsten vermutet hatte…

Ihr interessiert euch für das HIV-Projekt in Myanmar, wie viel Geld dort ausgegeben wurde, und wie es um die Performanz des Projektes steht? Oder ihr wollt euch mal die Poposals für zukünftige Projekte anschauen, die noch nicht bewilligt sind? Wie wäre es mit einer tabellarischen Auflistung der Daten verschiedener Projekte? Ihr müsst nur in der Lage sein, Myanmar auf der interaktiven Karte zu finden.

Im Kampf gegen Korruption und Betrug zeigt der Open Data-Ansatz und das radikale Verlangen nach Transparenz große Erfolge, so weit ich das anhand dessen, was ich hier in Lesotho heute zu sehen bekomme, beurteilen kann (dazu später mehr).

Merke: Wenn es um Leben und Tod nicht um die eigenen Daten geht, wird Open Data radikal durchgezogen – und zwar auf Initiative der G8. Interessant.

Disclaimer: Ich bin gerade auf Einladung des Global Fund in Lesotho, Afrika. Diese Einladung wird als Teil der Transparenz-Bemühungen gesehen – also bitte schreibt eure Fragen in die Kommentare – ich werde alles tun, um sie euch zu beantworten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf netzpolitik.org, der Autor ist Linux Neumann. Im Original Artikel finden sich noch einige Bilder, die ich hier jetzt nicht eingebunden habe.

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City Data Cloud für Berlin

Auf der Xinnovations 2010 hat Prof. Schieferdecker vom Institut Fraunhofer Fokus am Mittwoch einen Vortrag zum aktuellen Stand öffentlich verfügbarer Daten in Berlin gehalten. Dort hat sie das Konzept einer City Data Cloud Berlin vorgestellt.

Daten und Informationen sind als Rohstoffe bzw. Ressourcen einer Informationsgesellschaft zu verstehen. Auch Anwendungen und Dienste für eine Stadt der Zukunft sind datenintensiv. Bis dato sind Daten aber in der Hoheit einzelner und nicht zugreifbar für andere, so dass integrierte Anwendungen und Dienste nicht realisiert werden können.

Die Vision einer City Data Cloud Berlin ist es, (städtischen) Unternehmen, Organisationen und Bürgern der Stadt einen vertrauenswürdigen Zugriff auf städtische und öffentliche Daten zur gemeinsamen Gestaltung der städtischen Prozesse und Abläufe zu bieten. Es sollen öffentliche und ggfs. kommerzielle, aktuelle, kontextsensitive Daten über städtische Infrastrukturen und Ressourcen einer Stadt als auch akkumulierte Informationen bereitgestellt werden, um aktuelle Situationen in der Stadt transparent zu machen, Entscheidungen zu ermöglichen bzw. nachvollziehbar zu machen. Die (städtischen und stadtnahen) Unternehmen und Bürger können so aktiv bei der Bereitstellung und Nutzung der Daten und Informationen beteiligt werden: die Plattform der City Data Cloud Berlin ermöglicht eine effiziente Bereitstellung, Analyse und Weiterverarbeitung der städtischen Daten in Diensten und Applikationen, so dass eine offene Atmosphäre zur Arbeit zu und mit den Daten und Informationen im Interesse der Stadt entsteht.

Das ist interessant, wird hier doch eine “Plattform City Data Cloud Berlin” angekündigt. Diese steht in direktem Zusammenhang mit dem App4Berlin-Wettbewerb. Zur Erinnerung: Fokus hatte eine Liste mit Berliner Datenquellen zusammengestellt, bei denen jedoch wichtige Informationen, etwa zu den Nutzungsbedingungen fehlten. Deshalb hatten wir die Aktion Datenpaten gestartet, um genauere Informationen zu den einzelnen Datenquellen zusammenzutragen.

Zum Wettbewerb Apps4Berlin habe ich mich gestern kritisch geäussert, weil dieser zwar dem Namen nach an Apps4Democracy anknüpft, im Berliner Konzept aber bisher offene Daten keine Rolle spielen. Meine Kritik hier noch mal kurz zusammengefasst:

Ein Apps-Wettbewerb ohne Datenbasis ist wie ein Fussballspiel ohne Rasen: es fehlt die Grundlage. Dass man den Bezug zu Apps4Democracy dennoch herstellt zeugt entweder von fehlendem Verständnis oder es soll einfach ein guter Begriff kooptiert werden. Ich denke es ist nicht unsere Aufgabe jede Initiative in Deutschland zu bejubeln die sich irgendwo “Open Data” oder “Open Government” aufs Etikett schreibt. Vielmehr ist es unsere Aufgabe die Öffnung von Staat und Verwaltung konstruktiv aber auch kritisch zu begleiten.”

Wir werden also weiter beobachten wohin sich Apps4Berlin und die City Data Cloud Berlin entwickeln. Ob dabei tatsächlich ein Datenportal für offene Daten der Stadt Berlin entsteht bleibt ebenso zu hoffen wie abzuwarten.

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Offener Brief an Kanzlerin Merkel gegen Lobbypolitik

Mit einem offenen Brief an die Bundeskanzlerin hat der Verein LobbyControl heute die politische Praxis der Bundesregierung scharf kritisiert. “Sie gewähren mächtigen Lobbyakteuren einen privilegierten Zugang und verhandeln mit ihnen wie mit Geschäftspartnern, statt Entscheidungen am Gemeinwohlinteresse auszurichten und allen Stimmen das gleiche Gehör zu verschaffen“, heißt es in dem Schreiben. Weitere Informationen:

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Aneesh Chopra: “2010 is the year of participatory platforms”

Interesting article and interview with US CTO Aneesh Chopra from O’Reilly Radar by Alex Howard “2010 is the year of participatory platforms

In an exclusive interview last week at Gov 2.0 Summit, US CTO Aneesh Chopra answered questions about the challenges of implementing open government, reaching an increasingly mobile citizenry, addressing the digital divide and stimulating innovation.

“If 2009 was about the data platform, Data.gov, I would argue that 2010 is about thinking through the participatory platforms,” said Chopra.

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Wirtschaftsförderung made in Germany: “Apps 4 Berlin”

Mit einer Wettbewerbsinitiative “Berlin – Made to Create” möchten die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen gemeinsam mit dem Ministerium für Wirtschaft und Europaangelegenheiten des Landes Brandenburg die lokale Wirtschaft fördern. Der am Mittwoch den 15.September eröffnete Wettbewerb Apps 4 Berlin wirkt ein bisschen unbeholfen. Hier ist die Ausschreibung als PDF. Was mich an der Sache irritiert: Sowohl durch die Namensgebung “Apps 4 Berlin” als auch durch die, im Text etwas verloren wirkenden Bezüge zu Demokratie und Bürgerbeteiligung, kann man zuerst den Eindruck gewinnen, dass es sich hier um eine Deutsche Version der “Apps for Democracy-Wettbewerbe” handele. Dem ist nicht so.

Apps 4 Berlin ≠ Apps for Democracy

Liest man die Ausschreibung aufmerksam durch, fällt einem bald auf worum es hier geht.

Gegenstand des Wettbewerbs sind digitale mobile Applikationen mit dem Ziel, neue Märkte und neue Kundenkreise zu erschließen.

“Neue Märkte und Kundenkreise erschliessen…” das ist prima und eine wirklich sinnvolle Zielsetzung für ein Wirtschaftsförderungsprogramm. Allein mit den Zielen der “Apps 4 Democracy-Wettbewerbe”, auf die ja, wenn auch indirekt, Bezug genommen wird, hat das wenig zu tun.

Zur Erinnerung: Apps 4 Democray war der erste Wettbewerb dieser Art mit dem erklärten Ziel die Allgemeinheit zu motivieren die Daten des kurz zuvor eröffneten ersten US-Amerikanischen Datenkatalogs, für Regierungsdaten und Daten des öffentlichen Sektors, zu nutzen und daraus Anwendungen zu bauen. Dieser Bezug zur Öffnung von Daten der Stadt Berlin fehlt leider komplett. Das die Stadt Berlin diesen Wettbewerb ohne die Bereitstellung von Daten in einem Datenportal wie data.berlin.de startet ist kein Schönheitsfehler.

Der Wettbewerb ist – wie gesagt – eine großartige Idee zur Wirtschaftsförderung – mit Open Data aber hat er in seiner jetzigen Form leider nichts zu tun. Deshalb ist der Name irreführend – und damit letztlich schädlich für die Sache. Was wir hier sehen ist eine Aufweichung der Begriffe und damit der Ziele die wir verfolgen . Die Open Access-Bewegung kann ein Lied davon singen, was es für ihr Anliegen bedeutete, das auf einmal überall “open access” drauf stand aber nirgends drin war.

Mit dem Konzept für eine Deutsche Version eines Apps 4 Democracy Wettbewerbes, das wir vor einem Jahr gemeinsam mit Echologic und Government2.0 Netzwerk erarbeitet haben, hat dieser Wettbewerb nicht viel zu tun. Das ist Schade – gerne hätten wir die Stadt Berlin bei einem besseren Projekt unterstützt.

Aber ok. Wirtschaftsförderung muss ja schliesslich auch sein. Anderswo wird der Wettbewerb schon gefeiert. Das dort ausgerechnet auf den FIS-Broker als Quelle für Daten, die man ja für den Wettbewreb nutzen könne verwiesen wird, zeugt schlicht von Unkenntnis. Denn die Daten die dort drin liegen darf man eben nicht im Sinne von Open Data nutzen. Im Gegenteil: Stefan Wehrmeyer hatte mit diesen Daten einen wunderschönen Prototypen Open Berlin gebaut. Die Kartenanwendung visualisierte Strukturdaten der Stadt Berlin (aus dem FIS-Broker System) und verband diese mit den Ausgaben im Rahmen des Konjunkturpaketes II. Diese eindrucksvolle Anwendung haben wir leider kurze Zeit später wieder vom Netz genommen, nachdem wir von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung schriftlich daraufhingewiesen worden sind, dass

der Internetauftritt der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung dem Urheberrecht unterliegt. Das bedeutet, dass die Seiten ausschließlich zu privatem Gebrauch vervielfältigt werden dürfen. Textliche und grafische Änderungen sowie die öffentliche Verbreitung sind grundsätzlich nicht erlaubt, was die Web-Services mit einschließt.

Damit ist die Weiternutzung dieser Daten für eine App im Zusammenhang mit dem Wettbewerb ebenso ausgeschlossen wie in unserer Kartenanwendung auf www.openberlin.net. Statt dessen wurde uns ein

Beratungsgespräch angeboten, um zu klären, wie eine entgeltpflichtige Lizenzierung für Ihre Zwecke erfolgen kann.

Na super! Ist ja fast das selbe wie Open Data. Berlin ist noch weit entfernt von einem ernstzunehmenden Apps-Wettbewerb. Denn ein Apps-Wettbewerb ohne Datenbasis ist wie ein Fussballspiel ohne Rasen: es fehlt die Grundlage. Dass man den Bezug dennoch herstellt zeugt entweder von fehlendem Verständnis oder es soll einfach ein guter Begriff kooptiert werden. Dass in der Verwaltung bisher der Begriff “offen” nicht verstanden wurde, zeigt auch die Liste der empfohlenen, “offenenen” Mobil-Plattformen. Genannt werden dort unter anderem Adobe AIR und Windows Phone 7. Ich wünsche Herrn Both von der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen und seinen Beratern viel Erfolg mit dieser Aktion.

Ich denke es ist nicht unsere Aufgabe jede Initiative in Deutschland zu bejubeln die sich irgendwo “Open Data” oder “Open Government” aufs Etikett schreibt. Vielmehr ist es unsere Aufgabe die Öffnung von Staat und Verwaltung konstruktiv aber auch kritisch zu begleiten. Und wenn kein “Open Data” drin ist, sollte es auch nicht drauf stehen. Das sollten wir tun.

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Tool: Freebase Gridworks

Freebase Gridworks is a power tool that allows you to load data, understand it, clean it up, reconcile it internally, augment it with data coming from Freebase, and optionally contribute your data to Freebase for others to use. All in the comfort and privacy of your own computer.

Freebase Gridworks 1.0 Overview from David Huynh on Vimeo.

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OffenerHaushalt.de: Projekt für einen transparenten Haushalt

Das Sommerloch ist vorbei: am morgigen Dienstag versammelt sich das Plenum des Bundestages erneut. Einziger Punkt der Tagesordnung ist dann der Bundeshaushalt.

Gleichzeitig startet das Entwicklerteam Tactical Tools mit offenerhaushalt.de ein Informationsangebot für Bürger, Wissenschaftler und Journalisten, welches die Verteilung der Haushaltsmittel des Bundes visuell darstellt. Diese Daten sind zwar – zumindest für das laufende Jahr 2010 – im Netz verfügbar, in ihrer konventionellen Aufbereitung sind sie jedoch vollkommen unverständlich.

Einen ersten Anfang für eine transparente Haushaltspolitik haben wir jetzt mit der Seite offenerhaushalt.de gemacht, die einen Teil der Haushaltsdaten aus den Jahren 2003-2010 aufbereitet und visualisiert. Das ganze ist – vor allem in der Darstellung – noch recht rudimentär und eher als ein Angebot zur Weiterentwicklung denn als ein fertiges Portal zu verstehen.

Offenerhaushalt.de soll nicht nur eine Basis für weitere, komplexere Visualisierung und Analysen bieten, sondern auch eine Art Knotenpunkt für journalisitische und politische Arbeit rund um den Haushalt werden.

So erhält durch die Seite zum ersten Mal jeder Haushaltsposten eine URL. Wir wollen zudem zu jedem Punkt gezielt eine Linksammlung, Pingbacks und in Zukunft auch eine Wikiseite zusammenstellen. Das alles funktioniert natürlich nur dann, wenn auch andere sich für die Seite und das Projekt begeistern. Dazu sollen auf der technischen Ebene neben dem offenen Quellcode auch die Exportfunktion einen Beitrag leisten: so ist jeder Interessierte eingeladen, selbst mit den Informationen zu spielen und eventuell zu eigenenen Resultaten zu gelangen. Auch könneneinfach die Anpassungen vorgenommen werden, die für eine Adaption auf Landes- oder Gemeindehaushalt notwendig wären.

Disclaimer: Ich bin selbst im Team von Tactical Tools.

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Studie: Wünschen Bürger mehr Transparenz?

Eike Kühl hat auf Zeit Online als erste über die Studie zu Open Data – Open Government in Deutschland geschrieben: 88 Prozent der Deutschen sind für Veröffentlichung behördlicher Daten im Internet. Nur 16 Prozent sehen Datensicherheit gefährdet. Aus der Presseerklärung:

Die Vertrauenskrise, der sich die politische Steuerung durch die Bürger ausgesetzt sieht, ist mit mehr Effektivität und mehr Transparenz zu überwinden. Das ergab eine aktuelle repräsentative Verbraucherstudie von Forsa im Auftrag von SAS Deutschland.

Dieses Ziel ist über die Prinzipien des sogenannten Open Government und Open Data zu erreichen. Hierbei werden nicht-personenbezogene Informationen in Datenform im Internet und ohne Bewertung veröffentlicht. 88 Prozent der Befragten befürworten eine solche Veröffentlichung von Daten im Internet. 81 Prozent glauben, dass die Bürger dadurch mehr am politischen Geschehen teilhaben könnten, und 76 Prozent sind sich sicher, dass die Behörden dann auch einen stärkeren Anreiz hätten, effektiver zu arbeiten. Weiter sind 73 Prozent der Meinung, dass sie die Behörden somit besser kontrollieren können. Erstaunlicherweise spielt das Thema Datenschutz bei nur 16 Prozent der Befragten eine Rolle.

Open Government Data ist das Prinzip, das Behörden der öffentlichen Verwaltung anweist, grundsätzlich alle Daten (mit Ausnahme personenbezogener oder anderweitig geschützter Daten) im Internet zu veröffentlichen. Jeder Bürger kann diese Daten einsehen, weiterverarbeiten und weiterverbreiten. So entstehen neue Auswertungen und Analysen, Anwendungen und Dienstleistungen. Ziel soll sein, die politische und  behördliche Prozesse besser nachvollziehbar zu machen und damit das Vertrauen in Regierung und Verwaltung zu stärken. Durch die Öffnung von Staat und Verwaltung entstehen Chancen für mehr Transparenz, für mehr Teilhabe und mehr Zusammenarbeit.

Open Government als Prinzip steht für die Öffnung von Staat und Verwaltung nach Innen wie nach Aussen. Durch diese Öffnung kann ein neues partnerschaftliches Verhältnis zwischen Bürger, Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft entstehen. Tim O’Reilly prägte dafür den Begriff „Government as a Platform“, bei dem der Staat eine Platform für daraufaufbauende Dialoge und Kooperationen darstellt.

Im Rahmen der vorgelegten Studie sollte ermittelt werden, welche Meinung die Bundesbürger zu dem Thema Open Data haben und wie sie einer generellen Veröffentlichung von Behördendaten gegenüberstehen. Die Studie wurde im Juni 2010 durchgeführt. Auszug aus der Zusammenfassung der Studie:

Im Rahmen der Untersuchung sollte ermittelt werden, welche Meinungen die Bundesbürger zu dem Thema „Open Data, Open Government“ haben, wie sie einer generellen Veröffentlichung von Behördendaten in Deutsch- land gegenüberstehen und welche Auswirkungen ein Mehr an Transparenz hätte.

Die deutliche Mehrheit der Befragten würde es befürworten, wenn die Behörden Daten zu konkreten Themen voll- ständig und ohne Bewertung regelmäßig veröffentlichen, etwa die genaue Verwendung der Mittel aus dem Konjunkturpaket in den einzelnen Städten und Gemeinden in Deutschland. Eine grundsätzliche Veröffentlichung aller vorhandenen Daten, mit Ausnahme von personenbezogenen oder anderweitig geschützter Daten wünschen sich mehr als Zweidrittel der Bürgerinnen und Bürger.

Davon erhoffen die Befragten einen stärkeren Anreiz für die Behörden, effektiver zu arbeiten. Darüber hinaus er- warten acht von zehn Befragten, dass sich Bürger durch eine generelle Veröffentlichung amtlicher Daten besser einbringen und politische Entscheidungen stärker beeinflussen könnten. Bedenken hinsichtlich des Datenschut- zes hat lediglich jeder Sechste.

Sollte sich die Öffentliche Hand entschließen, alle behördlichen Daten zu veröffentlichen, würden sich gut Zwei- drittel der Befragten diese Daten auch ansehen. Von diesen kann sich jeder Vierte sogar vorstellen, mit den amtlichen Daten zu arbeiten oder diese für andere aufzubereiten, zum Beispiel durch Programmierung von Anwendungen oder der Erstellung von Berichten.

Die Mehrheit der Befragten glaubt, dass eine generelle Veröffentlichung amtlicher Daten ihr Vertrauen gegenüber der Politik und der öffentlichen Verwaltung erhöhen würde.

Die Studienergebnisse sind erfreulich und können unter www.sas.de/open heruntergeladen werden. Dies geht allerdings leider erst nach einer Registrierung :(

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8 Open Government Data Prinzipien Vol. 8 – “Lizenzfrei”

In den USA hat die Open Government Arbeitsgruppe bereits ende 2008 die 8 Open Government Data Prinzipien für offene Regierungsdaten formuliert. Um die deutsche Regierung und deutsche Behörden bei der Öffnung der Daten zu unterstützen haben wir die Argumente ins deutsche übersetzt und präsentieren euch in loser zeitlicher Abfolge, 8 Thesen zu den Open Government Data Prinzipien. In der achten und letzten Ausgabe dieser Reihe “Open Government Data Prinzipien” geht es diese Woche um die

These 8 – Lizenzfrei

Die abschließende Folge der 8 Thesen zu den Open Government Data Prinzipien beschäftigt sich heute mit dem Stichwort “Lizenzfrei”. Wie die Bezeichnung bereits erahnen lässt, geht es um die Bereitstellung von “offenen” Daten ohne das diese von einer Lizenz bzw. von anfallenden Lizenzgebühren beschränkt werden. Im genauen bedeutet dies, dass Daten keinen Copyright-Bestimmungen, Patenten, Markenzeichen oder Geschäftsgeheimnissen unterliegen. Zu vertretbaren Ausnahmen kann es bei sinnvollen Beschränkungen zum Schutz der Privatsphäre, des Datenschutz oder bei Sicherheits- und Zugangsbeschränkungen kommen. Sinnvolle Einschränkungen können hierbei bspw. durch die Creative Commens reglementiert werden.

Als Beispiel sei die Verwendung von öffentlichen Strukturdaten angeführt. Hierbei kommt es häufig zu der Frage, welchen Lizenzen diese unterliegen. Durch den hier oftmals unklaren Sachverhalt, kommt es des Öfteren zu Behinderung von Projekten wie bspw. Open Berlin. Nicht nur die Lizenzfrage ist in solchen Fällen oftmals unklar sondern auch die Art und Weise, wie solche Datensätze verwendet werden dürfen. Anknüpfende Fragestellungen, wie das Erheben einer Gebühr für Daten bzw. die Frage auf welcher Grundannahme dies erfolgt, gilt es in Zukunft zu diskutieren.

Die 8 Open Government Data Prinzipien

1. Vollständigkeit
Alle öffentlichen Daten werden verfügbar gemacht. Als Öffentliche Daten werden hierbei Daten verstanden, die nicht berechtigten Datenschutz-, Sicherheits- oder Zugangsbeschränkungen unterliegen.

2. Primärquelle
Die Daten werden an ihrem Ursprung gesammelt. Dies geschieht mit dem höchstmöglichen Feinheitsgrad, nicht in aggregierten oder sonstwie modifizierten Formaten.

3. Zeitnah
Daten werden so zügig, wie zur Werterhaltung, notwendig zur Verfügung gestellt.

4. Zugänglich
Daten werden so vielen Nutzern wie möglich für möglichst viele Verwendungszwecke bereit gestellt.

5. Maschinenlesbar
Daten werden zur automatisierten Verarbeitung strukturiert zur Verfügung gestellt.

6. Nicht diskriminierend
Daten sind für Alle verfügbar, ohne dass eine Registrierung notwendig ist.

7. Nicht proprietär
Daten werden in standardisierten Formaten bereit gestellt, über die keine juristische Person die alleinige Kontrolle hat.

8. Lizenzfrei
Daten unterliegen keinem Urheberrecht, Patenten, Markenzeichen oder Geschäftsgeheimnissen. Sinnvolle Datenschutz-, Sicherheits- und Zugangsbeschränkungen sind zulässig.

Die Einhaltung dieser Prinzipien ist überprüfbar.

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Public Consultation on access to information and open government data

This is a repost from: Access Info Europe. Please read and comment on this interesting report looking at both the “Open Government Data” and the “Right to Access to Information” movements inside and outside governments and focussing on their common goal: The right “Beyond Access” : the “Right to Reuse”.

Access Info Europe and the Open Knowledge Foundation, in collaboration with the Open Society Institute Information Program, are holding a public consultation on open government data and the right of access to information.

This consultation is based on a new report “Beyond Access: Open Government Data and the ‘Right to Reuse’” produced as a result of research into the open government data and access to information movements. The report identifies the practical, technical and legal challenges facing these movements. The report is based on discussions with activists about the main issues to be address in the next couple of years, questions such as whether a right of access is linked to a “right to reuse” the data received.

You can download the full report here odf2odt-16x16 file_pdf file_doc

Consultation: we would like to hear your comments on the “Beyond Access” report.

  • Did we miss any important initiatives?
  • Are there issues we should include?
  • Are you doing something you’d like us to capture in the report?
  • Do you agree with our findings and recommendations?

There are two ways to make comments:

1. Fill in our questionnaire on the report by clicking here.

2. Make comments on the individual paragraphs at WritetoReply.org/beyondaccess

Consultation closes on Monday 11 October 2010

What is open government data?

Open government data is about getting access to information held by government bodies formats that anyone can use for any purpose. To qualify as “open”, it must be possible for the data to come in formats which allows it to be freely copied, shared, combined with other material, or republished as part of websites which allow users to explore, analyze, visually represent, or comment on the material, as well as transform it into other formats.

Examples of the datasets held by governments which can, potentially, be opened up range from national statistics to budgetary information, from parliamentary records to data about the locations of schools, hospitals, crimes, or post boxes.

The open government data movement is calling for the proactive dimension of the right of access to information to be extended to raw data and entire databases.

Beyond Access – the Main Findings

Finding 1 – There are serious shortcomings in the current international and national standards defining the scope of the right of access to information, resulting in the release of information in formats that cannot be reused.

Finding 2 – Future transparency standards should be anticipated now, both to reduce technical obstacles to releasing the information down the line, and from a policy perspective to harness the full democratic potential of government data.

Finding 3 – There is a lack of clarity about who owns government data. Copyright, database rights and other ownership rights are restricting the right of the public to reuse government data. There is an urgent need for review of the legal framework which defines who owns government information, what the intellectual property rights of public bodies actually are, and whether the case can ever be made for selling government information to members of the public.

Finding 4 – There is an unresolved conflict between the right of access to information as an inherent part of the right to freedom of expression and the limitations placed on reuse of government data through copyright licences and charges for commercial reuse.

Finding 5 - The access to information and open government data movements are not yet collaborating sufficiently closely and are therefore missing opportunities to advance the transparency agenda.

Recommendations: The report contains a series of recommendations on how civil society, funders, governments and intergovernmnetal organisations should address these challenges.

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