Daten der Weltbank mit Google Maps visualisieren

Eine der verheißungsvollen Aussichten im Zuge der zunehmenden Verfügbarkeit von Schnittstellen zu offenen Datensätzen aus politischen und gesellschaftlichen Institutionen ist die Möglichkeit, Daten schnell und unkompliziert visualisieren zu können. Journalisten und Blogger können so mit ein wenig Programmierkenntnis oder diesbezüglicher Unterstützung Aussagen in ihren Artikeln durch Diagramme oder Karten auf anschauliche Art und Weise mit Fakten unterlegen oder auch durch die Zusammenführung unterschiedlicher Datensätze neue Zusammenhänge herstellen oder verdeutlichen.

Sehr aktiv im Hinblick auf die Bereitstellung dererlei Programmierschnittstellen (APIs) ist die Weltbank, über dessen Open Data-Aktivitäten wir hier im Blog schon zweimal in den letzten Wochen berichtet haben. Diese bietet seit einiger Zeit unter http://data.worldbank.org eine Schnittstelle an, über die unzählige – für den Entwicklungszustand der Welt relevante – Indikatoren wie Geburtsraten, CO2- Emissionslevel, Daten zu Bildungsausgaben, usw. für unterschiedliche Länder abgerufen werden können. In diesem Artikel soll einmal aufgezeigt werden, wie man solche Daten nutzen und z.B. mit Hilfe von Google Maps auf einer Karte visualisieren kann. So zeigt die folgende Karte das Einkommensniveau unterschiedlicher Länder anhand farbiger Pins, beim Klick auf einen Pin erhält man zusätzlich die Hauptstadt des Landes und die inhaltliche Bedeutung der jeweiligen Farbmarkierung angezeigt. Die Beschreibung ist (hoffentlich) nicht zu technisch gehalten, so dass sie auch für Nicht-Informatiker in den Grundzügen nachvollziehbar seien sollte. Ganz ohne Programmierkenntnisse wird man bei einer Umsetzung dennoch nicht auskommen, der Aufwand sollte sich allerdings auf max. 2-3 Std. beschränken.


Größere Kartenansicht

Folgende drei Schritte sind notwendig auf dem Weg zum eigenen Weltbank-Open Data-Mashup:

1. Weltbank-API – Indikator(en) auswählen und Anfrage stellen

Die API der Weltbank kann direkt per URL im Browser abgefragt werden. Über die Angabe entsprechender Parameter wird dann z.B. gesteuert, welcher Indikator abgerufen werden soll oder über welches Land man Daten erhalten möchte. So liefert die Abfrage http://open.worldbank.org/countries?per_page=100&incomeLevel=LIC eine Liste aller Länder mit einem niedrigen Einkommenslevel (LIC = “Low income”) (eine strukturiertere Ansicht des Ergebnisses erhält man u.U., wenn man sich im Browser direkt den ausgegebenen Quelltext anzeigen lässt). Eine detailliertere Dokumentation von Möglichkeiten zur API-Nutzung findet sich direkt auf der Weltbank-Seite. Durch die direkte Abrufbarkeit der API im Browser kann man auch gut ein wenig mit unterschiedlichen Parametern der API herumspielen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie die Benutzung funktioniert und was die API zu leisten vermag. Die so zusammengebaute API-URL (in unserem Beispiel: http://open.worldbank.org/countries?format=json&per_page=500) kann man dann über den entsprechenden Programmier-Befehl (für die im Beispiel verwendete Programmiersprache PHP z.B. cURL) für die weitere Verarbeitung und Umwandlung auslesen.

2. Ergebnis in ein für Google Maps lesbares Format umwandeln

Jetzt müssen die ausgelesenen Daten noch in ein für Google Maps lesbares Format umgewandelt werden. Hier bietet sich der Standard KML an, einer Beschreibungssprache für Geo-Daten, mit der man z.B. Orte auf einer Karte auszeichnen und mit ergänzenden Informationen versehen kann.  Alternativ kann auch die von Google bereitgestellte Google Maps-API direkt verwendet werden, um die Daten zu visualisieren. Die KML-Variante bietet jedoch den Vorteil, dass sie als Endresultat ein per Copy-and-Paste übertragbaren Code-Schnipsel hervorbringt, der sich einfach in Weblogs oder Content-Management-Systeme übertragen lässt, weshalb dieser Variante hier der Vorzug gegeben werden soll.

Die Daten aus der API der Weltbank werden in den Formaten XML oder JSON bereitgestellt, jeweils strukturierten Textdateien, die dazu geeignet sind, einzelne Datensätze und ihre Eigenschaften zu erfassen. Für diese Formate gibt es in den unterschiedlichen Web-Programmiersprachen in der Regel Befehle um diese einlesen und weiterverarbeiten zu können, für PHP ist dies z.B. der Befehl “json_decode()” zum Einlesen von Dateien im JSON-Format. Die so erhaltenen Datensätze (bzw. Objekte) kann man jetzt einzeln durchlaufen, und Eigenschaften, die auch auf einer Karte eingetragen werden sollen, in einen entsprechenden KML-String schreiben, eine Auflistung, was dies so alles seien kann, findet sich bei Google in der KML-Dokumentation. In unserem Beispiel waren dies im Wesentlichen der Name des Landes, der Einkommenslevel, der dann auf den PINs in der Google Maps-Karte erscheinen soll, sowie die Längen- und Breitengrade von der Hauptstadt des jeweiligen Landes (siehe Abb. unten). Im Zuge dieser Umwandlung kann man dann auch entsprechende grafische Formatierungen vornehmen, und z.B. allen Ländern mit niedrigem Einkommenslevel einen roten PIN verpassen. Die so erzeugte Datei speichert man dann als KML-Datei auf seinem Web-Server, so dass diese über das Internet erreichbar ist.

3. In eigenem Blog/Artikel einbinden

Puh, zugegebenermaßen: Punkt 2 war wirklich etwas technisch! Das gute ist: jetzt ist man quasi schon fertig! Google Maps kann KML-Dateien direkt verarbeiten, indem man die zugehörige URL direkt ins Suchfeld bei Google Maps kopiert. Hat man alles richtig gemacht, erscheinen die von der Weltbank-API übernommenen Daten dann direkt auf der entsprechenden Karte. Wer dies ausprobieren möchte, kann dafür die für dieses Beispiel verwendete KML-Datei verwenden (http://www.opendata-network.org/wp-content/uploads/2010/07/Worldbank_Data-API_GoogleMaps_IncomeLevel.kml), einfach den Link kopieren, ins Suchfeld einfügen und schauen, was passiert! Über “Link” -> “Eingebette Karte anpassen und Vorschau anzeigen” kann man dann noch einen gewünschten Kartenausschnitt und Zoom-Level wählen. Und: Fertig! Der so erzeugte HTML-Code kann jetzt in den eigenen Artikel oder die eigene Webseite kopiert werden, die Karte mit dem Daten-Overlay wird dann automatisch von Google nachgeladen!

Fazit: Dieser Artikel zeigt hoffentlich ein wenig, wie einfach es auch mit den aktuell zur Verfügung stehenden Bordmitteln schon seien kann, Daten aus offen verfügbaren Datenquellen in eigene Seiten einzubinden. Natürlich lässt sich mit ein wenig mehr Fantasie und Programmierkenntnissen noch deutlich mehr realisieren als hier im Beispiel gezeigt. So können z.b. mehrere Datensätze übereinandergelegt werden, um diese zu vergleichen, zeitliche Vergleiche angestellt werden, oder Karten noch mit eigenen Daten oder Daten aus anderen offenen Schnittstellen ergänzt werden. Also: ran an die Tasten! :-) Wer ein wenig rumgebastelt hat, und andere spannende Visualisierungen erstellt hat: ein Posting im Kommentar-Bereich wäre toll!

Veröffentlicht in API, Datenjournalismus, Google Maps, Open Data, Visualisierung, Weltbank | 1 Kommentar

Kurzbericht “Open Berlin”

Hier ein kurzer Bericht vom zweiten Teil der Veranstaltungsreihe “Everything Open” am Do. 01.07.2010 in Berlin. Gemeinsame Notizen zum Treffen: http://de.okfnpad.org/openberlin-meeting

Leider war nach etwa einer Stunde das Internet weg, so dass wir nicht den ganzen Abend protokolliert haben. Zuerst haben wir eine ganze Weile über Namen, Ausrichtung und das Format dieser Veranstaltungsreihe geredet.

Hier das Resultat: Wir werden weiterhin jeden 1. Donnerstag im Monat eine Veranstaltung unter dem Namen “Open Berlin” machen. Damit unterstreichen wir den gemeinsamen Nenner der verschiedenen Themen und Gruppen: Open und Berlin als Bezugspunkte.  Wir werden die Webseite http://openberlin.net auch für diese Veranstaltungsreihe nutzen.

Die Abende werden jeweils einen eigenen Themenfokus haben der im weitesten Sinne einen Bezug zu Open Knowledge, Open Data, Open Government, Open Democracy, etc hat. Auch das Format kann variieren: Von Workshop, Vortrag, Hacking, etc. Wir wollen aber die Treffen nicht “dem Zufall” überlassen, nach dem Motto, wir treffen uns und sehen dann was wir machen, da wir befürchten das dies zu “beliebig” wird bzw. auch wenig attraktiv wenn man nicht weiß was einen erwartet.

Deshalb sollen die Abende unabhängig von den Inhalten diese Struktur haben.

- Newsflash / Kurzvorstellung von neuen Ideen und Projekt
- Themenfokus
- eventuell: Arbeiten in Arbeitsgruppen
- nebenher: Networking

Themenvorschläge für den Themenfokus des nächsten Treffens über die ODN Mailingliste. Falls es keine konkreten Vorschläge für den nächsten Themenfokus gibt, wird jeweils ein Programmkomitee aus zwei Personen bestimmt die sich dann um den Themenfokus des nächsten Treffens kümmern.

Für das nächste Treffen am 5. August bilden Friedrich und Michael das Programmkomitee. Der Themenfokus steht schon fest: Es soll um die Erschliessung von offenen Daten in Berlin gehen. Damit ist der 5. August gleichzeitig der Auftakt für den zweiten “Open Data Hackday” der am 7. und 8. August stattfindet. Dazu hoffentlich bald mehr. Ich hoffe euch alle am 5. August zu sehen.

Veröffentlicht in Berlin, Open Data, Open Knowledge, Opendata Network | Kommentieren

Von der öffentlichen Verwaltung zur offenen Verwaltung

Seit unserer Gründung im Herbst 2009 setzten wir als Open Data Network uns für offene Regierungsdaten, Transparenz und mehr Partizipation ein. Unser Forderung ist recht einfach: gebt alle Daten frei, die nicht personenbezogen oder sicherheitsrelevant sind.

Das größte Hindernis für offene Daten in Deutschland ist sicherlich die Struktur und die Kultur der öffentlichen Verwaltung. Viele Mitarbeiter in den Verwaltungen möchten zwar heute schon, dass ihre Arbeit transparenter und öffentlicher wird. Dies kann auch Ihnen selbst große Vorteile bringen: Bürger lernen mehr über das Funktionieren dieses Apparats, Entscheidungen werden transparenter und nachvollziehbarer – kurz: die Verwaltung wird nicht länger als „Black Box“ wahrgenommen. Damit haben die Behörden die Chance, ihre eigene Reputation bei Bürgern zu steigern und selber dazuzulernen. Doch immer noch dominiert in den Amtsstuben das preußische „Amtsgeheimnis“. Dazu tragen nicht nur veraltete Strukturen bei, sondern auch ein gewisses Misstrauen gegenüber dem Volk. Als Argument gegen Open Data wird immer wieder ins Feld geführt, man wisse ja schließlich nicht, was am Ende mit den Informationen geschehe. Doch der Open Data Bewegung geht es ja genau darum: mit vorhandenen Daten neue Anwendungen schaffen, deren Nutzen oder Zielrichtung im Vorhinein nicht immer klar ersichtlich sind.

Oftmals wird geltend gemacht, dass die Öffnung von Datenbeständen und deren Aufarbeitung (um diese maschinenlesbar zu machen) zu hohe Kosten verursachen würden. Zunächst ist es natürlich richtig, dass erst einmal Kosten anfallen können. Doch die Öffnung von Datenbeständen und die Etablierung offener Standards können sogar zu Kosteneinsparungen führen. Dies zeigt z.B. ein Beispiel aus Kanada. Dort beantragte ein Bürger eine Übersicht über Spendenzahlungen an Vereine – und deckte einen großen Steuerskandal auf (“case study: how open data saved canada $3.2 billion” (eaves.ca Blog))

Vom rechtspositivistischen Standpunkt her betrachtet hat jeder Bürger in Deutschland bereits ein Recht auf offene Daten. Das Informationsfreiheitsgesetz sichert den Zugriff auf Behördeninformationen gesetzlich ab. Die Realität sieht jedoch oft anders aus. Bei einer Anfrage müssen Arbeitsstunden und Kopierkosten bezahlt werden. Viele Anfragen werden negativ beschieden, meist mit dem Verweis auf Sicherheitsbedenken oder der „Vertraulichkeit von Regierungshandeln“. Außerdem wissen viele Bürger gar nicht, welche Datenschätze in den Verwaltungen und Ministerien verborgen liegen (manchmal wissen es die Behörden vielleicht auch selber nicht). Einige Bundesländer (Baden- Württemberg,  Hessen, Bayern, Sachsen und Niedersachsen) haben bislang noch nicht einmal ein Informationsfreiheitsgesetz verabschiedet.

Doch es gibt auch andere Hindernisse für Open Data: Deutschland hat ein – im internationalen Vergleich – relativ striktes Datenschutzrecht. Auch wenn keine Veröffentlichung personenbezogener Daten gefordert wird, melden die Datenschutzbeauftragten oft Zweifel an der Veröffentlichung von Informationen an. Das Umweltbundesamt etwa veröffentlichte eine Deutschlandkarte, auf der die Luftverschmutzung sichtbar wurde. Diese musste wieder vom Netz genommen werden, da ja Rückschlüsse auf die verschmutzenden Unternehmen hätten gezogen werden können.

Mittlerweile sehen auch Politiker verschiedener Fraktionen den Nutzen offener Daten. Open Data wird eines der Themen sein, mit denen die Enquete-Kommission sich beschäftigt. Die Erfahrung aus Ländern wir Großbritannien und den USA zeigt, dass dieses Thema nicht unbedingt an klassischen Parteilinien entschieden wird: sowohl die konservativen Tories um David Cameron in Großbritannien als auch die Demokraten um Obama in den USA haben jeweils große Veränderungen bewirkt.

In einem föderalen System wie der Bundesrepublik reicht es nicht, auf eine Entscheidung „von oben“ zu warten. Denn selbst wenn eine solche Entscheidung käme, müssten Verwaltungen sie erst einmal ausführen und hätten dabei einen erheblichen Ermessens- und Entscheidungsspielraum. Es ist daher nötig auf vielen Ebenen gleichzeitig für die Offenheit von Daten zu kämpfen.Auf Bundesebene bei den Netzpolitikern der Fraktionen, insbesondere in der Enquete-Kommission und dem Unterausschuß neue Medien. Durch Workshops und Tagungen in Zusammenarbeit mit Behörden, Ministerien und Bundesämtern. Auf lokaler, kommunaler und Landesebene, um dort in einem überschaubaren Bereich Pilotprojekte zu beginnen. Und schließlich mit Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen, um den Gedanken von freiem Wissen weiter zu vertiefen.

Einige Bürgerinnen und Bürger nehmen die Open-Data-Bewegung sicherlich  als einen „Haufen von Nerds“ wahr, die hinter jeder technischen Neuerung hinterherlaufen und technikverliebt sind. Technik ist für uns zwar durchaus faszinierend und spannend. Doch sie ist letztlich mittel zum Zweck, Technik soll nur als Vermittler auftreten, Zugangshürden senken und neue Anwendungen ermöglichen.

Das Beispiel des Informationsfreiheitsgesetzes und seine Ausführung zeigt: es kommt nicht immer auf perfekte Gesetze und detaillierte Vorgaben an. Viel wichtiger ist es, ein Bewusstsein für Offenheit und Transparenz zu schaffen.

Veröffentlicht in Open Access, Open Data, Open Government Data, Transparen | Kommentieren

Mitmachen: Online Konsultation der EU-Kommission

Die EU Kommission hat heute eine offene Konsultation zum Thema Netzneutralität angekündigt. Bis zum 30. September kann jeder sich beteiligen und so  Einfluss auf die EU-Gesetzgebung nehmen.

Hier der Link zur Ankündigung, außerdem der Link zur Portalseite. Bislang kann man nur die bereitgestellten Materialien lesen, die Beteiligungsfunktion wird aber vermutlich bald freigeschaltet.

Veröffentlicht in EU, Netneutrality, Partizipation, Transparenz | Kommentieren

Gov 2.0 Expo 2010 vom 25.-27. Mai in Washington, D.C.

Hier noch ein kurzer Bericht, auch wenn es schon ein paar Wochen her ist: Ende Mai fand in Washington, D.C. in den USA die Gov 2.0 Expo statt, mit vielen spannenden Sessions rund um die Themen Open Data und Open Government. Initiiert wurde die Konferenz von Web-Vordenker Tim O’Reilly im letzten Jahr und findet seitdem zweimal im Jahr in einer etwas exklusiveren Summit-Variante (Gov 2.0 Summit) im Herbst (nächster Termin ist vom 07.-08. September) und als mehr für die breitere Öffentlichkeit konzipierten Gov 2.0 Expo statt.

Interessant sind beide Veranstaltungen vor allem, um sich einen Einblick über die neuesten Open Government Entwicklungen und Ideen aus und in den USA zu verschaffen, aber auch, um einen Einblick in die Thematik zu bekommen. Mittlerweile sind auch viele der Talks auf der Konferenz als Videos bei YouTube zu finden, mit so inspirierenden Rednern wie dem Web-Gründer Tim Berners-Lee oder Clay Johnson, dem Direktor der Sunlight Labs von der Sunlight Foundation. Als Kostprobe unten eingebettet ist die wie immer sehr feurige Eröffnungsrede von Tim O’Reilly, nach dessen Genuss man am liebsten gleich alle Regierungsdaten der Welt auf einmal hacken möchte! :-)

Über die Gov 2.0 Expo ist schon viel geschrieben worden, von daher hier nur noch ein paar Verweise zu weitergehenden Artikeln, z.B. in der Huffington Post, auf CNN.com und dem Blog OhMyGov!.

Veröffentlicht in Gov 2.0 Expo, Konferenz, Konferenzen, Open Government, Tim O'Reilly, USA | Kommentieren

8 Open Government Data Prinzipien Vol. 7 – “Nicht proprietär”

In den USA hat die Open Government Arbeitsgruppe bereits ende 2008 die 8 Open Government Data Prinzipien für offene Regierungsdaten formuliert. Um die deutsche Regierung und deutsche Behörden bei der Öffnung der Daten zu unterstützen haben wir die Argumente ins deutsche übersetzt und präsentieren euch in loser zeitlicher Abfolge, 8 Thesen zu den Open Government Data Prinzipien. In der sechsten Ausgabe dieser Reihe “Open Government Data Prinzipien” geht es diese Woche um die

These 7 – Nicht proprietär

In der vorletzten These der Open Government Data Prinzipien geht es heute um den Begriff “proprietär”. In Bezug auf den Bereich Open Data meint proprietär erst einmal die Beschränkung von Daten durch jegliche Art von Kontrolle. Dies kann beispielsweise eine kostenpflichtige Software sein, die für die Nutzung der Daten zu erwerben ist. Daraus resultierend stammt die Forderung von nicht proprietären Daten. Soll heißen, Daten sollen in standardisierten Formaten bereit gestellt werden, ohne das eine juristische Person die alleinige Kontrolle über sie besitzt.
Beispielsweise wäre die Veröffentlichung von Daten in einem exklusiven Adobe Photoshop Format nicht akzeptabel, da der Datensatz nicht für die Allgemeinheit zugänglich sein würde. Ganz konkrete und aktuelle Beispiele für propritäre Dateiformate sind das Microsoft Word Format und das WMA-Format. Auch die Beschränkung von Daten durch Lizenzen oder Patente fällt unter die Bezeichnung proprietär.

Ziel soll es sein, diese Hürden zu überwinden und einen allgemeinen Zugang zu öffentlichen Daten zu schaffen, ohne das diese Beschränkungen durch Software, Lizenzen oder Patenten unterliegen.

Die 8 Open Government Data Prinzipien

1. Vollständigkeit
Alle öffentlichen Daten werden verfügbar gemacht. Als Öffentliche Daten werden hierbei Daten verstanden, die nicht berechtigten Datenschutz-, Sicherheits- oder Zugangsbeschränkungen unterliegen.

2. Primärquelle
Die Daten werden an ihrem Ursprung gesammelt. Dies geschieht mit dem höchstmöglichen Feinheitsgrad, nicht in aggregierten oder sonstwie modifizierten Formaten.

3. Zeitnah
Daten werden so zügig, wie zur Werterhaltung, notwendig zur Verfügung gestellt.

4. Zugänglich
Daten werden so vielen Nutzern wie möglich für möglichst viele Verwendungszwecke bereit gestellt.

5. Maschinenlesbar
Daten werden zur automatisierten Verarbeitung strukturiert zur Verfügung gestellt.

6. Nicht diskriminierend
Daten sind für Alle verfügbar, ohne dass eine Registrierung notwendig ist.

7. Nicht proprietär
Daten werden in standardisierten Formaten bereit gestellt, über die keine juristische Person die alleinige Kontrolle hat.

8. Lizenzfrei
Daten unterliegen keinem Urheberrecht, Patenten, Markenzeichen oder Geschäftsgeheimnissen. Sinnvolle Datenschutz-, Sicherheits- und Zugangsbeschränkungen sind zulässig.

Die Einhaltung dieser Prinzipien ist überprüfbar.

Veröffentlicht in 8 Thesen, Nicht proprietär, Open Data, Open Data Principles, Open Government Data Prinzipien | Kommentieren

Parteispenden selber analysieren

Wir haben vor einiger Zeit die Parteispenden-Analyse von Christiane Schulzki-Haddouti vorgestellt. Mittlerweile hat sie auf ihrem eigenen Blog das zu Grunde liegende Tool zur Verfügung gestellt. Damit kann man sich eigene Visualisierungen der Daten erstellen und evtl. neue Schlüsse ziehen.  Hier gehts zum fröhlichen Visualisieren!

Die Software wurde entwickelt von Frank Behrend von ELIQOS.

Veröffentlicht in Open Data, Transparenz, Visualisierung | Kommentieren

Tag der offenen Bank: Open Bank API wird entwickelt

Mit offenen Finanztransaktionen mehr Transparenz im Bankwesen und im Umgang mit öffentlichen Mitteln zu schaffen, dieses Ziel hat das Open BankProject, dass vor kurzem in Berlin präsentiert wurde.

Dazu soll eine offene API entwickelt werden, die es erlaubt Finanzinformationen entweder mit allen oder nur einem bestimmten Personenkreis zu teilen um so für mehr Transparenz zu sorgen. Die Macher des Projekts sehen vielfältige Einsatzmöglichkeiten.

Grafik: openbankproject.org / TESOBE.com

So können z.B. Regierungen und öffentliche Verwaltungen diese Schnittstelle Nutzen um Subventionen und andere Staatsausgaben transparenter zu dokumentieren. Empfänger staatlicher Subventionen könnten also verpflichtet werden, direkt Rechenschaft über empfangene Mittel abzulegen. Damit könnte Korruption und Vetternwirtschaft bekämpft werden.

Doch auch für NGO’s bietet sich die Chance durch eine rigorose Öffnung der eigenen Finanzen vertrauen zu schaffen, und so allen Spendern und Unterstützern offenzulegen, was mit ihrem Geld passiert.

Derzeit sucht das Projekt noch nach Kooperationspartnern und bemüht sich zudem um EU-Fördergelder.

Veröffentlicht in API, Apps4Democracy, Open Data, Open Government, Open Government Data, Transparenz | Kommentieren

Open Data Linkliste

Heute möchte ich mal eine kleine neue Sache Ausprobieren, und zwar eine kleine Open Data Linkliste. In den letzten Wochen haben sich ein paar Artikel angesammelt, die ich ganz interessant fand und die ich euch zur Verfügung stellen wollte. Einige davon unterliegen leider einem Copyright, so dass Sie nicht eins zu eins hier veröffentlicht werden können, bei anderen hatte ich einfach keine Zeit. Falls euch noch Links fehlen oder ihr neue spannende Dinge findent schreibt sie doch in die Kommentare oder ins Wiki.

Analysis: this government is open to scrutiny:

Knowledge is power, said the politician and philosopher Francis Bacon. Today we live in the information age, and today information can be power too.

How Open Data Applications are Improving Government:

Open data is the big trend these days when people talk about “Government 2.0.” In reality, the open data movement has just begun, with governments finally starting to release dataen massein an effort to promote transparency. While projects likeApps for Democracy have received significant media attention, we are just at the dawn of the government open data app movement.

Tom Steinberg (mysociety.org) to Advise new UK Government on Transparency:

I will chair a new Transparency Board, which will include experts, including perhaps the Government’s greatest critic when it comes to transparency, Tom Steinberg. Based at the heart of government in the Cabinet Office, we’ll be listening to what the public want and making sure they get the information they ask for wherever humanly possible.

The coming data explosion:

One of the key aspects of the emergingInternet of Things- where real-world objects are connected to the Internet – is the massive amount of new data on the Web that will result. As more and more “things” in the world are connected to the Internet, it follows that more data will be uploaded to and downloaded from the cloud. And this is in addition to the burgeoning amount of user-generated content – which has increased 15-fold over the past few years,according toa presentationthatGoogleVP Marissa Mayer made last August at Xerox PARC. Mayer said during her presentation that this “data explosion is bigger than Moore’s law.”

Open data? Fine. But available isn’t accessible:
Technology has become ubiquitous, a potential our society is rather ignoring at the moment. Think about it.
We spend most of our work day in front of a screen, some of our friends never stop to Twitter, most of them check their emails on their blackberry even when drunk, and now we grab the iPad on the weekend in our leisure time. But what does it really mean for our societies to be surrounded by this new digital technology? What chances lie there in being surrounded by computers? This is a question, we barely think about. Not good. At the moment, we can see some serious potential we are about to miss.

Accountability, better services and economic opportunity
:
The promise of government accountability, better government services, and new economic opportunity is why we do what we do.

Veröffentlicht in Linkliste, Open Data, Open Government, Open Government Data, Partzipation, Transparenz | Kommentieren

Peter Schaar im Interview

Ich habe für politik-digital.de ein Video-Interview mit dem Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, Peter Schaar, gemacht. Darin äußert er sich zu der Frage ob es ein Spannungsfeld zwischen Informationsfreiheit und Datenschutz gibt, über veraltete Datenschutzgesetze und den Stand der Informationsfreiheit in Deutschland.

Zwischen Tür und Angel: Peter Schaar from politik-digital on Vimeo.

Related posts:

  1. Jens Seipenbusch (Piratenpartei): Die Digitale Revoultion gestalten
  2. Peter Suber on Open Access
  3. Video explaining the Semantic Web

Veröffentlicht in Datenschutz, IFG, Informationsfreiheit, Informationsfreiheitsgesetz, Peter Schaar, PSI Directive | Kommentieren