Wenn man sich ansieht, wie das Thema Open Data im Frühjahr 2010 wahrgenommen wurde, ist völlig klar: Im vergangenen Jahr ist etwas passiert. Und zwar auf beiden Seiten. Die Aktivisten vom Open Data Network werden inzwischen recht selbstverständlich als Ansprechpartner in der Sache angesehen. Journalisten wenden sich mit ihren Fragen an das Netzwerk, aber auch Mitarbeiter von Behörden, Ämtern, Institutionen und wissenschaftlichen Einrichtungen.
Auf dem Open Data Hackday im April 2010 direkt nach der re:publica ging es um erste relevante Anwendungen, um Dinge wie das Verzeichnis offenedaten.de. Und auch um ein “wenn nicht mit uns, dann ohne euch” – das ist die eine Seite. Tatsächlich führte die Fortsetzung eines der Hackday-Projekte, nämlich Stefan Wehrmeyers Karten-Visualisierung Mapnificent über die Zwischenstufe Konfrontation zu Kooperation. Stefan hatte Karten der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung verwendet, um die geografische Häufung von Mitteln aus dem Konjunkturpaket II in Zusammenhang mit anderen sozialen Daten zu zeigen, etwa der Zahl der ALG-II-Empfänger. Das missfiel der Senatsverwaltung, die Daten seien schließlich urheberrechtlich geschützt und kostenpflichtig. Die erste Konsequenz: Die lehrreichen Visualisierungen gingen offline. Die zweite Konsequenz: Eine eher konfrontative Diskussion, die aber schließlich beim Government-2.0-Camp im September dazu führte, dass Mitglieder des ODN mit Mitarbeitern der Berliner Verwaltung diskutierten und sich seitdem regelmäßig treffen. Die Folge ist unter anderem der gemeinsam organisierte Berlin Open Data Day am 18.05.2011
Auch wenn hier einiges passiert ist, bleibt auf der anderen Seite die Frage: Wo sind wir noch nicht so weit? Die unterschiedlichen Perspektiven zeigte die Diskussion auf der diesjährigen re:publica zu “Ein Jahr Open Data made in Germany“. Marcus Dapp von der Open-Data-Initiative der Stadt München setzt auf eine starke Community, mit der man Pilotprojekte durchziehen kann. Dapp etwa bezog für das Münchner Projekt Mogdy die Community schon ins Grobkonzept ein – die starke Beteiligung gibt Dapp recht. Für die Zukunft hätte er “gerne mehr Community Public Partnerships”, sagt Dapp. Das alles steht und fällt mit einer Verwaltung, deren Mitglieder schrittweise überzeugt werden müssen.
Das andere Ende repräsentierte Uta Dauke vom Bundesinnenministerium, die sich schrittweise darum kümmert, alle Open-Data-Angebote von Bund, Ländern und Gemeinden auf einer zentralen Einstiegsseite zu bündeln. Erste Ergebnisse wird es 2013 geben, doch längst sind noch nicht alle dabei. Allein auf Ebene der Bundesministerien habe sich gezeigt: “Wir sprechen nicht unbedingt die gleiche Sprache, jeder hat da unterschiedliche Vorstellungen”, sagt Uta Dauke. Derzeit hole man die mit ins Boot, die Interesse hätten, doch das reiche noch nicht. Doch es gebe bereits heute Erfolgsbeispiele wie destatis, das Geoportal des Bundes oder den Mobilitätsmarktplatz des Bundesverkehrsministeriums.
Ein Machtwort von ganz oben wie in den USA oder Großbritannien wäre jedenfalls für die schnelle Entwicklung extrem hilfreich. Das Beispiel des Bremer Informationsfreiheitsgesetzes zeigt: Mit dem entsprechenden Druck lässt sich ein sehr weitreichendes Gesetz realisieren. “Für uns ist Open Data nicht wirklich etwas neues”, sagt Heide Vathauer, Referentin für E-Government bei der Bremer Finanzsenatorin. Das jetzige Gesetz und die “Bremer Erklärung” (PDF) bildeten eine gute Grundlage, Senats-Dokumente würden bis auf persönliche sämtlich veröffentlicht.
Daniel Dietrich vom Open Data Network wünscht sich deshalb eine Frist, ab der Bundesbehörden bestimmte Daten ohne zusätzliche Mittel herausgeben müssen. Daniel hofft auch darauf, dass künftig Verwaltungen einem anderen “Mindset” kommen, nämlich einen Erfolg darin zu sehen, dass andere ihre Daten visualisieren, statt aufwändig selbst Apps zu entwickeln.
Ganz entscheidend bleibt die Frage, ob das nun gerade zu evaluierende Informationsfreiheitsgesetz nicht ein viel mächtigerer Hebel für offene Daten und Transparenz sein könnte als die sehr kleinteiligen Schritte, in der man Verwaltungen beim Wandel begleitet. Uta Dauke schlägt darüber hinaus vor, ins E-Government-Gesetz den Satz aufzunehmen, dass Daten zu veröffentlichen sind. Meine Ergänzung: Möglichst viele vor 2013!
Hinweis: Aus technischen Gründen erscheint dieser Beitrag einige Tage später als intendiert.