Wer zur Konkurrenz wechseln will, kann seine Daten künftig problemlos mitnehmen. Mit “Dataliberation” hilft Google hilft sogar dabei.
Unternehmen haben im laufe der Zeit schon viele Methoden ersonnen, um ihre Kunden an sich zu binden. Verträge mit langer Laufzeit, Rabattsysteme und im digitalen Bereich vor allem durch die Inkompatibilität der Formate – worin Microsoft es zu trauriger Bestleistung brachte. Dienste die der Kunde online Nutzt (Cloud Computing) machen es dem Kunden bevorzugt durch technische Hindernisse schwer: indem der Ausstieg, wenn überhaupt, oft nur für den Verlust aller bisher erstellten Inhalte zu haben ist. Teil von Googles Geschäftsstrategie setzt war es schon immer, das Gewohnheitstier Mensch mit gut programmierten, kostenlosen Diensten freiwillig an sich zu binden. Jetzt verkündet das Unternehmen sogar: “Wem unsere Dienste nicht gefallen, der soll gehen. Und gerne alles mitnehmen. Wir helfen sogar dabei!
Google hat ein eigenes Team gebildet, die Data Liberation Front, mit dem Ziel, für alle Dienste eine einfache Ausstiegsoption zu entwickeln. “Das soll mit einem Klick auf den Export-Button möglich sein”, sagt Teamleiter Brian Fitzpatrick, den Google aus der Open-Source-Bewegung rekrutiert hat. Wer von Gmail zu einem anderen E-Mail-Dienst wechseln will, braucht dafür in Zukunft nur auf einen Knopf zu drücken, schon reist er zur Konkurrenz, mit all seinen E-Mails im Gepäck. Fitzpatricks Team twittert regelmäßig über den aktuellen Stand der Befreiung, nach Gmail und Blogger sollen demnächst Google Docs und das Webseiten-Programm Google Sites befreit werden. Die Community ist eingeladen, weitere Befreiungsschläge vorzuschlagen.
Das dahinter tatsächlich Googles oft und gerne öffentlich zitiertes Firmen-Mantra “Do no evil” steckt darf bezweifelt werden. Statt Altruismus scheint hier eine gezielte Marketingstrategie zu stecken: Google will – ja muss – seine Nutzer für die Cloud begeistern: Bislang schrecken noch zu viele davor zurück, ihre Daten statt auf den eigenen Rechnern einfach im Internet zu verwalten. Darauf basieren jedoch Googles Anwendungen. Auch wenn sich viele Menschen sich schon heute fragen, ob sie noch ohne Google leben können – sie bräuchten sich nur für eine andere Suchmaschine zu entscheiden, und ein Großteil des Umsatzes von Google bräche ein. Aus der Angst macht Google eine Tugend. Und glaubt: Wir sind so gut, dass die Nutzer sowieso bei uns bleiben.
Cloud Computing ist nach Web2.0 das neue Modewort, der neue Hype in der IT Welt. Sicherlich steckt in der dezentralisierten, intelligenten Verteilung von Ressourcen, Rechenleistung und Bandbreite sehr viel Potenzial. Aber die Verschiebung von Daten – Firmendaten wie persönlichen Daten- in die Cloud birgt auch neue Risiken. Wer kontrolliert die Clouds? Wem gehören die Daten in den Clouds? So fragt Carl Hewitt auf O’Reilly Radar: “Is intimate personal information a toxic asset in cloud datacenters?” Es wird darauf ankommen, dass bürgerrechtsorganisationen wie die EFund die Sunlight Foundation Unternemen wie Google, Amazon, usw. genau auf die Finger schauen und für unsere digitalen Rechte streiten.
Siehe auch:
- Google verkündet Offensive zur “Datenbefreiung” – bei Heise
- Google startet Offensive zur Datenbefreiung – GoogleWatchBlog
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